In diesen Produkten werden PFAS-Chemikalien verwendet

Umweltbundesamt warnt: Unsere Kinder haben zu viel Chemie im Blut!

Auch Outdoorkleidung wird mit PFAS-Chemikalien beschichtet.
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07. Juli 2020 - 10:18 Uhr

Konzentration sogenannter PFAS bei vielen Kindern zu hoch

Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben zu viele langlebige Chemikalien im Blut. Davor warnt jetzt das Umweltbundesamt (UBA). Bei mehr als jeder fünften Probe, die im Rahmen der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit genommen wurde, war die Konzentration sogenannter PFAS zu hoch. Dies kann verschiedene gesundheitliche Folgen haben, unter anderem eine höhere Neigung zu Infekten und eine verminderte Wirkung von Impfungen.

PFAS-Chemikalien werden für Beschichtungen verwendet

Die Stoffgruppe der PFAS umfasst rund 4.700 verschiedene Chemikalien, die nicht natürlich vorkommen. Sie werden etwa in der Beschichtung von Lebensmittel-Verpackungen, Pfannen oder Outdoorjacken verwendet, weil sie Fett, Wasser und Schmutz abweisen.

Auch PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) gehört dazu - mit der Chemikalie waren alle 1.109 der untersuchten Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren belastet. PFOA (Perfluoroktansäure) fanden die Experten in 86 Prozent der Proben. Bei 21 Prozent, also mehr als einem Fünftel, lag der PFOA-Wert sogar über dem Grenzwert, ab dem die Substanz laut einer Fachkommission zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann.

Mögliche Folgen erhöhter Konzentrationen von PFAS im Blut sind unter anderem:

Wie können Eltern ihre Kinder vor PFAS schützen?

Laut Umweltbundesamt werden PFAS in sehr vielen Produkten verwendet, was es nicht einfach macht, sie zu meiden. Verbraucher können aber beispielsweise auf Lebensmittel verzichten, die in beschichteten Kartons aufbewahrt werden, etwa Tiefkühlkost. Mit PFAS beschichtete Pfannen sollten nicht zu stark erhitzt werden. Schmutzabweisende Textilien wie Teppiche oder Vorhänge sollten gemieden werden.

PFAS reichern sich vor allem im Fettgewebe an und können auch über die Muttermilch auf Babys übergehen. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die PFAS-Belastung bei gestillten Kindern höher ist als bei solchen, die keine Muttermilch bekommen. Dennoch empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation generell, Babys nach Möglichkeit mindestens sechs Monate lang zu stillen.

Chemikalien sogar in Polargebieten nachgewiesen

Auch für die Umwelt sind die Chemikalien ein Problem. Sie gelangen etwa über die Lüftung von Industrieanlagen und behandeltes Abwasser in die Luft und anschließend durch Regen oder Schnee in Gewässer und Boden. Weil sie so langlebig sind und unter anderem durch Meeresströmungen über weite Strecken transportiert werden, verteilen sich PFAS überall auf der Welt - sogar in Polargebieten, wo weit und breit keine Menschen leben. Sie wurden in Tieren wie Fischen, Seeadlern, Ottern und sogar Eisbären gefunden.

Umweltbundesamt will PFAS verbieten

"Welche Schäden die langlebigen PFAS in der Umwelt auf Dauer anrichten können, ist häufig noch unerforscht", erklärt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes. Wir versuchen daher, gemeinsam mit anderen europäischen Ländern, diese Stoffe in der EU so weit wie möglich zu verbieten. Dies ist aus Vorsorgegründen der richtige Schritt." Nur wirklich notwendige Materialien, zum Beispiel für den Gesundheitsschutz bei medizinischen Geräten oder Schutzkleidung für die Feuerwehr, sollten Messner zufolge weiter genutzt werden dürfen.

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