Umweltbundesamt: Moderne Diesel stoßen viel zu viel Stickoxid aus

25. April 2017 - 13:23 Uhr

An kühlen Tagen steigt Stickoxid-Ausstoß stark an

Das Image des Diesel hat gelitten in den vergangenen Monaten. Jetzt gibt es schlechte Nachrichten von offizieller Stelle. Diesel-Pkw stoßen noch mehr gefährliche Stickoxide aus als gedacht - und auf die neueste Euro-6-Norm können Verbraucher nicht zählen.

Bisher wird nur unter Laborbedingungen gemessen

ARCHIV - Demonstranten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) protestieren am 07.04.2017 vor dem Bundesverkehrsministerium in Berlin gegen Luftbelastungen durch Diesel-Stickoxide. Das Umweltbundesamt veröffentlicht am 25.04.2017 Angab
Demonstranten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) protestieren gegen Luftbelastungen durch Diesel-Stickoxide.
© dpa, Sophia Kembowski, kes nic lof

Moderne Diesel-Pkw überschreiten im Alltag die EU-Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide um ein Vielfaches. Das zeigen Tests und Berechnungen für das Umweltbundesamt (UBA), deren Ergebnisse der DPA vorliegen. Demnach stoßen Diesel, die der aktuell gültigen Abgasnorm Euro 6 entsprechen, auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus - der Grenzwert liegt aber bei nur 80 Milligramm.

Um den Stickoxidwert zu ermitteln, wurden laut UBA betriebswarme Motoren gemessen - und zwar für alle in Deutschland typischen Außentemperaturen. An kühlen Tagen steigt der Ausstoß nochmals stark an. Rechtlich reicht es bislang, wenn die Diesel unter Laborbedingungen die EU-Vorgaben erfüllen. Von September 2017 an werden sie schrittweise auch auf der Straße mit einem sogenannten RDE-Prüfverfahren gemessen. Dabei kommt es oft zu großen Unterschieden, auf die Umweltschützer schon seit vielen Jahren hinweisen. Einer breiten Öffentlichkeit wurden die unterschiedlichen Messwerte erst mit dem VW-Abgasskandal bekannt.

Am schmutzigsten sind Euro-5-Diesel

Die gesamte deutsche Diesel-Flotte aus neueren und älteren Autos ist dem UBA zufolge viel schmutziger als angenommen. Bisher sei man davon ausgegangen, dass 2016 im Schnitt 575 Milligramm Stockoxide - auch NOx genannt - aus dem Auspuff kamen. Laut UBA waren es in Wirklichkeit aber durchschnittlich 767 Milligramm.

Gemessen wurden demnach unter anderem die Abgaswerte von 25 Diesel-Pkw der Euro-6-Norm und 27 Euro-5-Modellen, und zwar unterschiedliche Fahrzeuggrößen vom Kleinwagen bis zum SUV-Geländewagen. "Die neuen Werte bilden die Diesel-Pkw-Emissionen in Deutschland repräsentativ ab", heißt es beim Umweltbundesamt.  

Am schmutzigsten seien bei Einberechnung der Temperaturen Euro-5-Diesel mit einem NOx-Ausstoß von durchschnittlich 906 Milligramm pro Kilometer - das Fünffache des EU-Grenzwerts von 180 Milligramm. Euro-4-Diesel, für die ein Grenzwert von 250 Milligramm gilt, stoßen demnach im Schnitt 674 Milligramm Stickoxide aus.

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Welche Folgen Stickoxide für unsere Gesundheit haben

Folgen: NOx sind stark reaktiv - das heißt, sie gehen schnell Verbindungen mit anderen Stoffen ein, zum Beispiel mit Kohlenwasserstoffen. Dadurch verstärken sie etwa die Bildung von bodennahem Ozon und erhöhen die Feinstaubbelastung. Stickstoffdioxid ist schädlicher als Stickstoffmonoxid.

Gefahren für die Gesundheit: Stickstoffdioxid reizt die Atemwege. Laut Umweltbundesamt ist das vor allem für Asthmatiker ein Problem, da es dazu beiträgt, dass die Bronchien sich verengen. Es verstärkt Allergene, schädigt Schleimhäute und reizt die Augen. Ist man NO2 länger ausgesetzt, kann es laut Bundesgesundheitsministerium die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen, da sich die Stoffe im Blut verteilen und zum Beispiel die Gefäßspannung beeinflussen.

Gefahren für die Umwelt: Stickstoffdioxid kann auch Pflanzen schädigen. Beobachtet wird unter anderem ein Gelbwerden der Blätter, vorzeitiges Altern und Wachstumsstörungen. Zudem trägt Stickstoffdioxid zur Überdüngung und Versauerung von Böden und in geringem Maße auch von Gewässern bei.

Größenordnung: Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur hat Sickstoffdioxid im Jahr 2012 in Deutschland 10 400 Todesfälle verursacht. Neuere Zahlen gebe es nicht, berichtet das Institut für Epidemiologie II am Helmholtz-Zentrum München. Allerdings gehöre zur Wahrheit auch, dass die Luft heute sauberer sei als vor 30 Jahren.