Umstrittene Wahlkampfauftritte: Bundesregierung droht Türkei mit Einreiseverboten für Politiker

16. März 2017 - 15:33 Uhr

"Keine Freikarte für die Zukunft"

Der türkische Präsident Erdogan nennt die Bundeskanzlerin eine Terror-Helferin und bescheinigt der Bundesrepublik Nazi-Methoden. Nun hält Merkels rechte Hand, Kanzleramtschef Altmaier, dagegen und droht zurück. Ob das Ankara beeindruckt?

Altmaier: "Auch Deutschland hat eine Ehre!"

Angesichts abfälliger und aggressiver Attacken der türkischen Regierung in Richtung Deutschland droht die Bundesregierung nun offen mit einem Einreiseverbot für türkische Spitzenpolitiker. Deutschland habe die rechtliche Möglichkeit, die Einreise ausländischer Regierungsmitglieder zu unterbinden, sagte der Chef des Kanzleramts, Peter Altmaier (CDU), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Dass die Bundesregierung bisher nicht ihre völkerrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, ist keine Freikarte für die Zukunft", warnte er. "Ein Einreiseverbot wäre das letzte Mittel. Das behalten wir uns vor."

Zu Wochenbeginn hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) direkt persönlich angegriffen und ihr vorgeworfen, Terroristen zu unterstützen. Deutschland gehe nicht gegen die PKK vor, obwohl sie diese zur Terrororganisation erklärt habe. Den vor zwei Wochen verhafteten 'Welt'-Korrespondenten Deniz Yücel bezeichnete Erdogan erneut als "Agenten und Terroristen". Zuvor hatte er Deutschland und auch den Niederlanden Nazi-Methoden bescheinigt.

Altmaier verurteilte die Angriffe scharf. "Wir verwahren uns entschieden gegen Nazi-Vergleiche und groteske Vorwürfe", sagte er. "Die Türkei legt immer großen Wert darauf, dass die Ehre ihres Landes nicht verletzt wird. Auch Deutschland hat eine Ehre!" Die Bundesrepublik sei seit ihrer Gründung ein weltweit anerkannter, vorbildhafter Rechtsstaat.

Saarland will Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker verbieten

ARCHIV - Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gibt am 16.12.2015 in ihrem Büro in der Saarländischen Staatskanzlei in Saarbrücken (Saarland) ein Interview. Das Saarland will Wahlkampfauftritte türkischer Politiker im
Annegret Kramp-Karrenbauer
© dpa, Oliver Dietze, odietze rho sup cul

Zuvor hatten Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland für Aufregung gesorgt. Als erstes Bundesland kündigte das Saarland überraschend an, Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker zu verbieten. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kündigte an, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. So erlaube das Aufenthaltsgesetz, die politische Betätigung von Ausländern zu untersagen, wenn das friedliche Zusammenleben hierzulande gefährdet sei.

Am 16. April sollen die Türken über eine Verfassungsreform abstimmen. Sie würde die Machtbefugnisse von Staatspräsident Erdogan massiv ausweiten. In Deutschland leben gut 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken - die größte Gruppe in der EU.

Kommt nun ein deutschlandweites Auftrittsverbot?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l) lässt sich am 14.03.2017 in seinem Palast in Ankara, Türkei, nach einer Rede zu Angestellten im Gesundheitsbereich feiern. Rechts applaudiert ihm der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag. Erdogan
Recep Tayyip Erdogan
© dpa, Murat Cetinmuhurdar, BO lof

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer, sprach sich in der 'Huffington Post' für ein deutschlandweites Auftrittsverbot aus. Die Stimmung im Umfeld von Kundgebungen türkischer Politiker sei außerordentlich aufgeheizt und angespannt, "so dass sehr wohl der innere Frieden in unserem Land und die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wären, wenn weitere Kundgebungen stattfänden".

Der Chef der Christdemokraten im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), forderte in der 'Neuen Osnabrücker Zeitung', die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei müssten eingefroren werden, so wie es das EU-Parlament gefordert habe. Dem schloss sich der Vize-Präsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), an, wie er der 'Rheinischen Post' sagte.