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Umfrage deckt auf: Sexuelle Belästigung gehört in Deutschland zum Arbeitsalltag

Umfrage deckt auf: Sexuelle Belästigung gehört in Deutschland zum Arbeitsalltag

Hierarchiestufen von Mann zu Frau unterschiedlich

Diese Zahlen lassen aufhorchen: Jeder zweite Beschäftigte in Deutschland hat am Arbeitsplatz schon Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor. Fast jede fünfte Frau ist demzufolge schon einmal gegen ihren Willen von Kollegen berührt worden. Auch zwölf Prozent der Männer berichteten von unerwünschter körperlicher Annäherung.

Sexuelle Belästigung gehört in Deutschland zum Arbeitsalltag
Ist laut einer aktuellen Umfrage in vielen deutschen Büros Alltag: Sexuelle Belästigung
picture-alliance / Frank May, Frank May

Als sexuelle Belästigung gelten bereits anzügliche Blicke und Bemerkungen, sofern sie nicht gewollt sind. Auch Nacktfotos und erotische Bilder, ob per E-Mail oder Poster an der Wand, sowie unerwünschte Berührungen und Küsse gehören dazu, ganz zu schweigen von der konkreten Aufforderung zu sexuellen Handlungen.

Laut Ergebnis der Studie läuft die Belästigung von Männern meist auf der gleichen Hierarchiestufe ab. "Bei weiblichen Opfern sexueller Belästigung gibt es häufiger ein Hierarchiegefälle zwischen Täter und Opfer", stellt Frank Faulbaum vom Sozialwissenschaftlichen Umfrageinstitut der Universität Duisburg fest.

Viele schrecken vor einer Belästigungsmeldung zurück

Die Studie zeigt überdies, wie unterschiedlich Menschen sexuelle Belästigung wahrnehmen. So gaben immerhin 13 Prozent der Männer an, dass Sprüche wie "Setz dich auf meinen Schoß" aus ihrer Sicht keine Belästigung seien – das sahen nur acht Prozent der Frauen genauso.

Die Ergebnisse der Befragung fließen in die Arbeit einer von der Antidiskriminierungsstelle berufenen Expertenkommission ein. Vorsitzende sind die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, und der ehemalige Berliner Bürgermeister, Klaus Wowereit. Die Kommission soll bis Dezember Gesetzesänderungen und andere Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung im Job vorschlagen.

Dazu könnte laut Allmendinger eine Verlängerung der Zweimonatsfrist gehören, die bei der Anzeige derartiger Vorfälle gilt. Gerade Frauen, die sich in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis befinden, schrecken meist davor zurück, Belästigungen zu melden. Obwohl der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet ist, seine Angestellten vor sexueller Belästigung zu schützen und entsprechende Beschwerdestellen einzurichten, gibt es diese in den meisten Unternehmen nicht.