Umfrage: 27.000 Eltern haben Betreuungsgeld beantragt

21. Juli 2015 - 19:17 Uhr

Schröder sieht Bilanz als Erfolg

Nach zögerlichem Start nehmen immer mehr Eltern in Deutschland das umstrittene Betreuungsgeld in Anspruch. Nach Recherchen der 'Süddeutschen Zeitung' haben im ersten Monat seit der Einführung mehr als 27.000 Familien Antrag auf den 100-Euro-Zuschusss gestellt – zur Freude der Familienministerin. Aber: Im Durchschnitt werde jeder fünfte Antrag abgelehnt. Offenbar sind vielen Eltern die Kriterien nicht klar.

Elterngeld doch kein Flop?
Im ersten Monat haben 27.000 Eltern das umstrittene Elterngeld beantragt.
© dpa, Wolfram Steinberg

Dabei beruft sich die 'SZ' (E-Paper) auf eine eigene Umfrage und Angaben aus 14 Bundesländern. Aus Niedersachsen und Rheinland-Pfalz fehlten Zahlen, weil die Länder keine eigene Statistik führten. Etwa jeder fünfte Antrag wurde demnach nicht bewilligt.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wertete diese Bilanz als Erfolg: Sie zeige, wie wenig Ahnung die SPD als Betreuungsgeld-Kritiker "von den Wünschen der Familien" habe, zitierte das Blatt die Ministerin.

In Nordrhein-Westfalen liege die Ablehnungsquote bei den Betreuungsgeld-Anträgen bei 31 Prozent, in Hamburg bei 43 Prozent. In den zwölf Bundesländern, die dazu exakte Angaben machten, liege die Zahl der nicht bewilligten Anträge insgesamt bei knapp 5.000 oder einer Quote von knapp 20 Prozent. In fast allen Fällen liege die Ablehnung an dem gesetzlichen Stichtag, so die Zeitung unter Berufung auf die Landesministerien.

Schwesig: "Viele Eltern fühlen sich betrogen"

Anspruch auf das Betreuungsgeld besteht nur, wenn das Kind am 1. August 2012 oder später geboren ist. Somit steht die Leistung nicht für alle Kinder im zweiten Lebensjahr bereit.

Die stellvertretende SPD-Chefin Manuela Schwesig hält deshalb das - für sie grundsätzlich falsche - Gesetz auch für fehlerhaft: "Viele Eltern fühlen sich betrogen. Sie stehen nun ohne Kitaplatz und ohne Betreuungsgeld für ihre Kinder da." Die von der Bundesregierung versprochene freie Wahl zwischen Betreuungsplatz und Betreuungsgeld gebe es nicht.

Das Betreuungsgeld war am 1. August 2013 parallel zum Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für unter Dreijährige eingeführt worden. Eltern, die für die Betreuung ihres ein- oder zweijährigen Kindes keinen öffentlich geförderten Platz in Anspruch nehmen, hilft der Staat mit 100 Euro, vom 1. August 2014 an mit 150 Euro pro Monat.