Umbruch, aber kein Einbruch: Schachtjor macht Angst

© dpa, Sergey Dolzhenko

13. März 2014 - 9:01 Uhr

Ganz Fußball-Deutschland diskutiert noch über das Phantom-Tor und seine Folgen, dabei hat Bayer Leverkusen eine ganz andere Sorge: Schachtjor Donezk. Wenn die 'Werkself' am Mittwoch auf das Spitzenteam aus der Ukraine trifft, geht es nicht nur um drei Punkte, sondern um die Vorentscheidung im Kampf um den 2. Platz in der Gruppe hinter Manchester United. Verliert Bayer das Duell, ist der Einzug ins Achtelfinale quasi vom Tisch. Nur ein Horror-Szenario? Keineswegs.

Obwohl Schachtjor mal wieder einen Umbruch hinter sich hat, wird der Mannschaft von Trainer Mircea Lucescu von einigen Experten eine Überraschung zugetraut. Denn schmerzhafte Abgänge wie von Fernandinho (Manchester City) oder Henrikh Mkhitaryan (Borussia Dortmund) wurden mehr als nur kompensiert. Fast schon traditionell bediente sich Donezk in den Talentschmieden Südamerikas und gewann das Rennen um drei Brasilianer, die auch andere europäische Schwergewichte auf dem Zettel hatten: Fernando, Wellington und Top-Star Bernard.

Letztgenannter ist zwar erst 21 Jahre jung, zählt aber zu den größten Hoffnungen im Land des WM-Gastgebers. "Es ist toll, den Moment mitzuerleben, wenn ein Star geboren wird", urteilt Ex-Star Ronaldinho über seinen Landsmann, den sich Schachtjor 25 Millionen Euro kosten ließ. Mit seinem unglaublichen Tempospiel und seiner Wendigkeit ist er sowohl auf den offensiven Außenbahnen als auch in der Zentrale einsetzbar. In vier Spielen in der ukrainischen Meisterschaft legte er schon fünf Tore vor - Leverkusen sollte gewarnt sein.

Dass ein Spieler wie Bernard nicht immer erste Wahl ist, spricht für die unglaubliche Qualität, die Donezk in der Offensive hat. Douglas Costa auf rechts, Taison auf links, dazu Alex Teixeira als Spielgestalter und Luiz Adriano als eiskalten Torjäger - die Abteilung Attacke kann es mit den besten Mannschaften Europas aufnehmen.

Schachtjor spielt gerne gegen Bundesligisten

Die Defensive ist zwar nicht mit den ganz großen Stars gespickt, steht aber dennoch sicher. Das liegt vor allem an Yaroslav Rakitsky und Oleksandr Kucher, die seit fünf Jahren das Innenverteidiger-Duo des Traditionsvereins bilden. Während Kapitän Darijo Srna als Rechtsverteidiger gesetzt ist, streiten sich Vyacheslav Shevchuk und der Brasilianer Ismaili auf der Gegenseite um einen Platz in der ersten Elf, die es für Lucescu in der Offensive so eigentlich gar nicht gibt.

Weil der Trainerfuchs vorne die Qual der Wahl hat, passt er das taktische System und die Aufstellung immer dem Gegner an. Das klassische 4-2-3-1 ist durch die Offensiv-Power variabel. Der technisch versierte Brasilien-Verbund hält wenig von Positionstreue und ist deshalb schwer zu verteidigen. Dass Lars Bender wegen eines Faserrisses im Oberschenkel wohl nicht auflaufen kann, macht es für Leverkusen nicht gerade besser.

Was ebenfalls für die Ukrainer spricht, ist ihre Formkurve (seit sieben Spielen ungeschlagen) und die Bilanz gegen deutsche Vereine. Zwar schied Donezk in der letzten Champions-League-Saison gegen Dortmund aus, dafür holte man vor vier Jahren den UEFA-Cup gegen Werder Bremen. Davor hatte Schachtjor schon gute Erfahrungen gegen Schalke und Stuttgart gemacht, die ebenfalls der Kürzeren zogen und sich 2005 bzw. 2006 von der internationalen Bühne verabschieden mussten - hoffentlich kein böses Omen für Leverkusen.