Übertriebene Angst oder sinnvolle Vorsichtsmaßnahme?

Um sie vor Entführung zu schützen: Mutter kettet ihre Kinder an sich

07. Oktober 2020 - 18:36 Uhr

Mutter leint Kinder mit "Bleib-Hier-Bändern" an

Jemma Freeman ist besorgt. In der Umgebung ihrer Heimatstadt Maldon, in der englischen Grafschaft Essex, wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Kindesentführungen gemeldet. Deshalb beschließt die Mutter, ihre beiden Kinder, Tochter Jessica (3) und Sohn Zachary (8), an ihr Handgelenk zu ketten, wann immer sie mit den beiden das Haus verlässt. Dafür bestellte die 30-Jährige im Internet sogenannte "Bleib-Hier-Bänder" – eine Konstruktion aus abschließbaren Armbändern, die über ein Spiralkabel miteinander verbunden sind. Nachdem sie ein Foto der Vorrichtung auf Facebook teilte, ereilten Jemma Freeman hunderte Nachrichten, wie sie der "Daily Mail" erzählt. Während einige Menschen sich um das Wohlergehen der Kinder sorgen, erhält sie von anderen Komplimente und Zuspruch für ihre Erfindung.

Wie die Kinder-Ketten aussehen und ob der Wirbel darum gerechtfertigt ist – davon können Sie sich im Video selbst ein Bild machen.

Schaden Eltern ihren Kindern mit solchen Sicherheits-Ketten?

Auch wenn ihre Beschützer-Taktik ziemlich ungewöhnlich ist – mit der großen Angst um das Wohl ihrer Kinder ist Jemma Freeman sicherlich nicht alleine. Das zeigen auch die Kommentare unter Jemmas Facebook-Post. "Wir müssen tun, was wir können, um unsere Kleinen zu schützen. Da draußen gibt es viele Verrückte", schreibt eine Kommentatorin. Eine andere stimmt zu: "Ich kann nur sagen: Es sollte nicht so sein, aber es ist der einzige Weg, wie wir unsere Kinder in unserer Nähe behalten können." Gerade wenn die Nachrichten von Verbrechen gegen Kinder sich häufen, kann das einige Eltern stark beunruhigen. Doch vermitteln wir unseren Kindern durch solche Sicherheits-Ketten oder Leinen nicht noch mehr das Gefühl, dass die Angst vor der Welt gerechtfertigt ist?

Die Kinderpsychologin Sabine Werner-Kopsch hält das für unwahrscheinlich – wenn Eltern der Leine mit einen spielerischen Charakter geben. "Kinder spielen auch immer wieder miteinander Rollenspiele, in dem ein Kind als Tier fungiert", erklärt die Expertin. Man könne also davon ausgehen, dass ein solches "Spiel" mit den Eltern den Kindern durchaus Spaß machen könne. Wichtig sei aber, so Sabine Werner-Kopsch, das dem Nachwuchs dabei nichts wehtut und ihm zu erklären, dass die Maßnahme der eigenen Sicherheit dient. Der Sicherheitsaspekt müsse dann für den Junior immer klar erkennbar bleiben. "Das Kind wird diese Erklärungen aus eigener Warte überprüfen und wenn es sich auf dem Spielplatz oder einem ähnlichen Kontext nicht frei bewegen kann, sicher massiv in Frage stellen", so die Psychologin.

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