2018 M07 21 - 11:16 Uhr

Kleine Geschäfte verschwinden aus dem Stadtbild Pekings

Es klingt wie eine albtraumhafte Zukunftsvision oder das Drehbuch eines beklemmenden Films. Um die Hauptstadt Peking zu verschönern, greifen chinesische Behörden durch. Sie mauern kurzerhand ganze Gebäudefassaden zu und verstecken so kleine Cafés, Wäschereien und Friseursalons, die nicht mehr zum Stadtbild gehören sollen. Das trifft vor allem die kleinen Leute hart, wie die Reportage von Pia Schrörs aufdeckt.

"Die Regierung braucht sie nicht mehr"

Peking soll nicht nur schöner, sondern auch kleiner werden. Die aktuellen Baumaßnahmen nehmen vielen Einzelhändlern die Lebensgrundlage, häufig werden sie so zum Umzug genötigt. Rund zwei Millionen Menschen könnten der chinesischen Metropole in Zukunft gezwungenermaßen den Rücken kehren. "Die Regierung braucht sie nicht mehr", erklärt Soziologe Hu Xingdou im Video.

In der Vergangenheit wurden bereits zehntausende Wanderarbeiter aus Peking vertrieben und ihre billigen Unterkünfte einfach abgerissen. Diese Praxis sorgt in China immer wieder für Kritik, gelten die günstigen Arbeitskräfte doch als eigentlicher Motor des chinesischen "Wirtschaftswunders". Etwa jeder fünfte Chinese ist Wanderarbeiter. Offiziell sind es 282 Millionen, die ihre Dörfer verlassen haben und auf der Suche nach Arbeit durch die Städte des Riesenreichs ziehen.