Wegen rassistischer Darstellungsweise

Ulmer Münster verbannt Könige aus der Krippenszene

Die Figur des Melchior (v) steht mit den anderen Figuren der Heiligen Drei Könige im Ulmer Münster.
© picture alliance, Sebastian Gollnow

07. Oktober 2020 - 16:41 Uhr

In diesem Jahr wird die Krippe ohne Könige ausgestellt

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit wird im Ulmer Münster eine Krippe des deutschen Bildhauers Martin Scheible ausgestellt. Der Künstler hatte die biblische Szene 1923 angefertigt, 1992 wurde sie der Münstergemeinde geschenkt, damit sie Jahr für Jahr an Weihnachten in der Kirche zu sehen sein kann. Doch in diesem Jahr verzichtet der Kirchengemeinderat darauf, die drei Könige in der Krippe mit aufzustellen. Grund ist die Darstellung von Melchior, die in der heutigen gesellschaftlichen Rassismus-Debatte nicht mehr als angemessen aufgefasst wurde.

"Stark klischeebehaftete Darstellung"

Melchior ist in vielen Krippen, so auch in der von Martin Scheible, als schwarzer König dargestellt. Er sei "mit einer Fratze, wulstigen Lippen, einer grotesken Körperhaltung sowie unschönen Beinen" abgebildet, heißt es dazu in der "Schwäbischen Zeitung". Ein "Mohrenkind" trage die Schleppe der Figur.

"Problematisch ist bei der Krippe im Ulmer Münster einzig die aus heutiger Sicht stark klischeebehaftete Darstellung der Figuren, die rassistische Stereotypen bedient", so Dekan Ernst-Wilhelm Gohl dazu. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart könne die Entscheidung, die Könige nicht auszustellen, daher nachvollziehen.

Wofür stehen die drei Könige?

Die Krippenszene wird teils unterschiedlich dargestellt. Die Könige sind zum Beispiel nach der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium bei der Geburt Jesu gar nicht zugegen. Im Matthäusevangelium hingegen treten die Heiligen Drei Könige, oder die drei Weisen aus dem Morgenland, als Sterndeuter oder Magier auf, die dem Christkind zur Geburt Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken. Eine dieser Figuren wird seit dem 14. Jahrhundert oftmals als Schwarzer dargestellt. Grund dafür ist, dass Jesus als Retter der Welt von Repräsentanten der damals bekannten Kontinente besucht wurde, Europa, Asien und Afrika.

Wie es mit der Krippe und den Königen nach dem diesjährigen Weihnachtsfest weitergeht, ist übrigens noch nicht klar. Das Gremium sei sich einig, die Problematik im neuen Jahr mit der Stifterfamilie und der Öffentlichkeit zu diskutieren, um einen Weg zu finden, wie in Zukunft angemessen mit diesem Erbe umzugehen ist, so die "Schwäbische Zeitung".

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