Uelzen: Bio-Hof unter EHEC-Verdacht

7. Juni 2011 - 14:02 Uhr

Sprossen unter EHEC-Verdacht

Sprossen aus Niedersachsen sollen dafür verantwortlich sein, dass EHEC grassiert - doch eine Bestätigung gibt es dafür noch nicht. Während Wissenschaftler weiterhin nach dem Verursacher suchen, beschäftigt die Seuche auch die EU-Gesundheitsminister in Luxemburg.

Nach der Warnung vor Gemüse-Sprossen gerät ein Biohof in Niedersachsen immer mehr in den Verdacht, die Epidemie ausgelöst zu haben. Es seien insgesamt 40 Sprossenproben unter anderem aus dem Wasser, von Arbeitstischen und aus der Lüftungsanlage des inzwischen geschlossenen Betriebs in Bienenbüttel (Kreis Uelzen) genommen worden, sagte der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministerium Gert Hahne.

Auf acht in Hamburg untersuchten Sprossen-Proben haben Experten keine EHEC-Darmkeime entdeckt. Fünf der Proben stammten aus dem inzwischen gesperrten Betrieb, teilte die Hamburger Gesundheitsbehörde mit. "Das bedeutet aber nicht, dass die Erkenntnisse des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums in Zweifel zu ziehen wären, da sich nach bisherigen Erkenntnissen EHEC nicht gleichmäßig auf die Produkte eines Betriebes verteilt."

Auch ein Restaurant in Lübeck ist im Visier der EHEC-Ermittler. Unklar ist, ob noch EHEC-verseuchte Ware im Handel ist. Die Warnung vor Gurken, Tomaten und Blattsalaten gilt bisher weiter.

Der Ausbruch der Infektion hat nach Angaben der EU-Kommission auch in anderen europäischen Ländern den Konsum von Salat und Gemüse einbrechen lassen. Dies sei eine europaweite Krise, die eine europäische Lösung erfordere, sagte der Sprecher von EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos in Brüssel. Die EU-Agrarminister berieten daher auf einem Sondertreffen am Dienstag in Luxemburg über Möglichkeiten, die betroffenen Bauern zu entschädigen. Zahlen nannte der Sprecher allerdings nicht.

Kritik an der Regierung

Das niedersächsische Agrarministerium hatte erklärt, dass der Biohof im Ort Bienenbüttel eine mögliche EHEC-Quelle sei. Der Hof vertreibt teils über Zwischenhändler Sprossenmischungen, die nun alle unter Infektionsverdacht stehen. Der letzte Beweis fehlt aber noch, gesicherte Erkenntnissen sollte es diesen Montag geben.

Der EHEC-Keim hat bereits 21 Menschen getötet, vor allem in Norddeutschland. Nach der Fehl-Warnung vor spanischen Gurken ging auch eine Spur zu einem Gasthaus in Lübeck. Der Wirt will diesen Montag Ergebnisse von Stuhlproben seiner Mitarbeiter verkünden. In dem Lokal sollen sich 17 EHEC-Patienten infiziert haben.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte in der 'Berliner Zeitung' das Krisenmanagement der Regierung. Deutschland brauche einen nationalen Kontrollplan mit einer Checkliste möglicher Übertragungswege vom Bauern über die Verarbeitung bis zum Restaurant.

Unterdessen haben Forscher aus Münster das Erbgut eines EHEC-Erregers entziffert, der als Vergleichsstamm zum aktuellen Erregertyp dienen soll. Der Stamm mit der Bezeichnung HUSEC 041 war 2001 erstmals in Deutschland aufgetaucht. In seiner jetzigen Form ist er aber wesentlich aggressiver und besonders resistent gegen Antibiotika. Durch einen Vergleich der beiden EHEC-Stämme wollen die Wissenschaftler der Uniklinik Münster nun herausfinden, wie genau sich der aktuelle Typ von seiner Ursprungsform verändert hat. Vor allem erhoffen sich die Forscher Hinweise darauf, was den derzeit wütenden Erreger so aggressiv macht.

Bundesweit stieg die Zahl der EHEC-Infektionen zwar am Wochenende weiter - allerdings etwas langsamer als zuvor, wie etwa die Behörden der schwer betroffenen Länder Hamburg und Niedersachsen mitteilten.