Ständige Überwachung aus der Luft: So wollen Amerikaner Verbrecher bekämpfen

Testprojekt in Baltimore

Im US-amerikanischen Baltimore läuft im Moment ein Testprojekt. Mit Kameras ausgestattete Flugzeuge sollen helfen, Morde und Raubüberfälle in der Stadt aufzuklären. Unsere Reporterin Sandra Lange ist mitgeflogen.

Jede Sekunde ein Foto

Ex-Offizier Ross McNutt hat die Technik ursprünglich für den Irakkrieg entwickelt: Zwölf hochauflösende Weitwinkel-Kameras schießen aus einer Cessna jede Sekunde ein Foto. Das könnte die Verbrechensbekämpfung der Zukunft sein. "Wir können die Uhr zurückdrehen und gucken, wo alle Beteiligten 45 Minuten vor dem Mord waren und 3,5 Stunden danach", erklärt Ross.

Der Testversuch läuft derzeit in Baltimore. Inzwischen wollen immer mehr US-Städte seine Technik. "Das Gebiet, das die Kameras von oben aufnehmen können, ist 80 Quadratkilometer groß", sagt RTL-Reporterin Sandra Lange. "Das ist so viel wie die komplette Berliner Innenstadt."

Sicherheit statt Privatsphäre

McNutt und sein Team arbeiten eng mit der Polizei am Boden zusammen, zum Teil sogar in Echtzeit. 20-30 % weniger Verbrechen, verspricht er mit seiner Luftüberwachung. Diese Art der Aufklärung hat ihren Preis: Sicherheit statt Privatsphäre. McNutt versucht jedoch zu beruhigen: "Jede Person wird nur als Pixel dargestellt. Wir können nicht sagen, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht sie hat. Der einzige Grund, weshalb wir wissen, dass es kein Hund ist, ist die Tatsache, dass der Pixel in ein Auto steigt und losfährt."

Baltimore könnte schon bald die erste US-Stadt sein, die McNutt dauerhaft beauftragt. Noch streiten sich allerdings Offizielle und Bürger, ob sie diesen Eingriff in ihre Privatsphäre akzeptieren wollen.