"Übersehener Risikofaktor" bei Tönnies

Hygiene-Professor erklärt: Deshalb konnte sich das Virus so schnell verbreiten

Der Hygiene-Experte Dr. Exner hat die Zustände bei Tönnies untersucht.
© Imago Entertainment, Noah Wedel

25. Juni 2020 - 9:37 Uhr

Hygiene-Experte hat Zustände in Tönnies-Fabrik untersucht

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischbetreib Tönnies im Kreis Gütersloh hat sich Professor Martin Exner die Zustände vor Ort angeschaut. Der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uni Bonn stellte am Mittwochnachmittag erste Einschätzungen in einer Pressekonferenz vor. Im Auftrag des Gesundheitsamts hatte er mögliche Risikofaktoren, die zur Verbreitung des Coronavirus geführt haben könnten, untersucht. Zudem stellte er Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle zukünftiger Covid19-Infektionen bei der Firma Tönnies vor.

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Wieso konnte sich das Risiko so schnell ausbreiten? Professor Exner weist auf "übersehenen Risikofaktor" hin

"Epidemiologisch war bekannt, dass in bestimmten Bereichen des Betriebs, besonders im Zerlegebereich, die Rate der Infektionen besonders hoch war", erklärt Professor Exner. Deshalb habe man sich besonders mit diesem Teilbereich der Anlage beschäftigt. Dort müssten die Mitarbeiter zum einen stark körperlich arbeiten, zum anderen sei die Raumtemperatur mit nur 6 bis 10 Grad sehr niedrig. Über Nacht werde die Luft zusätzlich getrocknet, um die Ausbreitung von Listerien zu verhindern. All das trage dazu bei, dass für das Coronavirus gute Bedingungen zur Übertragung bestünden.

Bei seinen Untersuchungen legte der Hygiene-Experte besonderen Fokus auf die Luftfiltrationsanlagen. Denn durch die Klimaanlage zirkuliere die Luft in der Halle, ohne ausreichend gefiltert zu werden. Dies sei ein "übersehener Risikofaktor", so Exner. "Das ist bisher in keiner Regulierung aufgeführt, weil wir bei neuen Infektionserregern erst lernen müssen."

Zu diesen Maßnahmen rät der Hygiene-Experte bei Tönnies

Die Mitarbeiter müssten zum einen dringend Abstand halten und auch einen Mundschutz tragen, sagt Professor Exner. Hier brauche man atmungsaktive Masken, die auch bei körperlich schwerer Arbeit getragen werden könnten. Auch eine Hochleistungsfiltration der Luft sowie der Einsatz von UV-Licht sollten zukünftig als neue Maßnahmen diskutiert werden, so der Experte.

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