2018 M10 16 - 17:02 Uhr

Prozess wegen Terrorvorwürfen vertagt

Die Ausreisesperre gegen Suat Corlu wurde aufgehoben. Der Ehemann der deutschen Journalistin Mesale Tolu darf die Türkei verlassen. Tolu war nach Istanbul gereist, um ihren Mann zu unterstützen. Gegen das Ehepaar läuft ein Prozess wegen Terrorvorwürfen – dieser wurde am Dienstag vertagt.

Dreijähriger Sohn kann seinen Vater wiedersehen

​Der 34-jährigen deutschen Journalistin Mesale Tolu und ihrem Mann Suat Corlu wird die Mitgliedschaft in der linksextremen Gruppe MLKP vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Dafür könnte ihnen 20 Jahre Haft drohen. Bereits im vergangenen Jahr verbrachte Tolu mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft. Nach ihrer Freilassung im Dezember wurde sie unter einer Ausreisesperre in der Türkei festgehalten. Erst Ende August hatte sie mit ihrem kleinen Sohn zurück nach Deutschland fliegen dürfen. Ihr Mann musste bislang in der Türkei bleiben.

Mesale Tolu ist erleichtert über die Aufhebung der Ausreisesperre. "Das bedeutet für meine Familie, dass sie endlich wieder zusammenkommen kann", sagte die 34-Jähige vor dem Justizpalast im Viertel Caglayan in Istanbul. Ihr dreijähriger Sohn könne nun endlich seinen Vater wiedersehen. "Wir wurden auseinandergerissen und diese Phase hat eigentlich zu lange gedauert", betont sie.

Tolu rechnet nicht mit Freispruch im Januar

Auch wenn neben Mesale Tolu jetzt auch ihr Mann aus der Türkei ausreisen darf, der Prozess geht für beide in der Türkei noch weiter. Zur Fortsetzung war die Journalistin aus Deutschland in die Türkei geflogen, obwohl sie wusste, dass sie dort jederzeit wieder festgenommen werden konnte. Das Gericht hat den Prozess gegen das Ehepaar auf den 10. Januar vertagt. Tolu rechnet jedoch nicht damit, dass die Terrorvorwürfe gegen sie fallen gelassen werden. "Ich werde immer wieder für meinen Freispruch kämpfen, aber ich weiß, dass sehr viel politisch entschieden wird", sagte sie gegenüber dem rbb. "Ich denke, es wird auf eine Haftstrafe hinauslaufen."