Frau rammte Mann ein Messer in die Brust

Überraschung im Prozess: Opfer macht Täterin Heiratsantrag vor Gericht

Ein Oberstaatsanwalt bindet einen Stapel Gerichtsakten zusammen. Foto: Christian Charisius/dpa/Symbolbild
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23. Juni 2020 - 19:52 Uhr

Opfer sollte vor Gericht aussagen, erklärte aber nur seine Liebe

Diesen Prozess werden alle Beteiligten so schnell wohl nicht vergessen: In Bonn stand eine 33-Jährige aus Mechernich vor Gericht, weil sie ihrem Lebensgefährten im Streit ein Messer in die Brust rammte. Der 40-Jährige überlebte die Attacke im Dezember 2019 nur knapp. Seiner Leidenschaft scheint das aber keinen Abbruch getan zu haben, denn als er vor Gericht als Zeuge aussagen sollte, machte er der Angeklagten eine Liebeserklärung samt Heiratsantrag.

Nachbarin rief den Krankenwagen für blutüberströmten Mann

Der Streit zwischen den beiden eskalierte, weil der 40-Jährige im Dezember mit zwei Kumpels eine Sauftour unternahm und dafür das ganze Weihnachtsgeld (rund 200 Euro) eingesteckt hatte. Auch die Frau hatte viel Alkohol intus, als ihr Lebensgefährte an dem Abend zurück nach Hause kam. Die 33-Jährige geriet so in Rage, dass sie seine Sachen aus dem Fenster warf und mit dem Messer auf ihn losging.

Eine Nachbarin, die mit im Haus wohnt, erinnert sich noch gut an den Abend. Im RTL-Interview erzählte sie, dass sie es war, die damals den Krankenwagen rief. Ein anderer Nachbar hatte ihr Bescheid gesagt, dass bei dem Paar etwas passiert sei. Als sie bei den beiden nach dem Rechten sehen wollte, habe der 40-Jährige blutüberströmt am Boden gelegen. Seine Kollegen hätten neben ihm gekniet und die Wunde mit einem Handtuch zugehalten.

40-Jähriger überlebte die Attacke nur knapp

Weil dem Mann schnell geholfen wurde, überlebte er den Messerstich damals. Seine Freundin musste sich nun wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Als das Opfer in den Zeugenstand geholt wurde, kam die Überraschung: Der 40-Jährige erklärte, dass er die Täterin trotz allem liebe und sie heiraten wolle.

"Die Angeklagte war sehr ergriffen", sagte ihr Verteidiger Veit Strittmatter im RTL-Interview. Sowohl sie, als auch das Opfer hätten geweint. Der 40-Jährige verweigerte als Verlobter der Angeklagten dann aber seine Aussage gegen sie. Die Angeklagte ist Mutter von zwei Kindern, eins davon bekam sie gemeinsam mit dem 40-Jährigen.

Angeklagte durfte nach dem Prozess mit ihrem Verlobten nach Hause gehen

Verurteilt wurde die Mutter trotzdem. Auch wenn das Opfer kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung habe, so sei "doch ein großes Unrecht geschehen, das geahndet werden müsse", entschied das Gericht. Die Angeklagte bekam zweieinhalb Jahren Haft. Der Mann hätte durch den Stich auch sterben können. "Folglich ist es auch nur ein Zufall, dass es noch zur Liebeserklärung und zu einem glücklichen Ende gekommen ist", stand in der Urteilsbegründung.

Die 33-Jährige, die die letzten sechs Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte, durfte nach dem Urteil den Gerichtssaal aber zusammen mit ihren Verlobten verlassen und nach Hause gehen. Der Haftbefehl gegen sie wurde außer Vollzug gesetzt, bis das Urteil rechtskräftig ist. Das Gericht sah keine Fluchtgefahr bei ihr. Der Anwalt der 33-Jährigen will nun zusammen mit seiner Mandantin besprechen, ob sie das Urteil anfechten will oder so akzeptiert. Zwei Jahre Haft müsste sie dann noch absitzen.