Überraschung im Prozess: Anklage fordert auch Freispruch

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14. Januar 2020 - 17:40 Uhr

Im Prozess um einen tödlichen Schuss in das Gesicht des Opfers in Neumünster hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag überraschend nur für den Hauptangeklagten eine Haftstrafe wegen heimtückischen Mordes beantragt. Für den Mitangeklagten forderte sie nach Angaben eines Sprechers des Kieler Landgerichts Freispruch. Der Mann sei zwar am Tatort gewesen. Ihm habe aber nicht nachgewiesen werden können, dass er gewusst habe, was geschehen soll, sagte der Sprecher am Dienstag. Beide Männer waren wegen Mordes angeklagt.

Der Hauptangeklagte soll zwölf Jahre und neun Monate ins Gefängnis, plädierten die Staatsanwälte. Beim Strafantrag gingen sie davon aus, dass der Mann wegen Alkoholmissbrauchs nur eingeschränkt schuldfähig war.

Der 41-Jährige schoss demnach seinem Opfer im Juni 2012 heimtückisch durch die gerade geöffnete Tür mitten ins Gesicht. Das Opfer war sofort tot. Es hatte laut Anklage seinem Mörder selbst die Tür geöffnet - auf das Klingeln des Mitangeklagten hin, mit dem er befreundet gewesen sein soll.

Bei der Aufklärung des Verbrechens tappten die Ermittler jahrelang im Dunklen. Die ehemalige Lebensgefährtin des Hauptangeklagten brach erstmals 2018 ihr Schweigen während einer Mutter-Kind-Kur. Ein Jahr später ging sie zur Polizei. Sie hatte den Vater ihrer zwei Kinder zuvor gedeckt. Der Mann sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft.

Das Opfer, ein Pole, lebte und arbeitete in Neumünster. Beide Angeklagte stammen ebenfalls aus Polen, sind aber deutsche Staatsbürger. Der Prozess soll am 18. Februar mit den Plädoyers von Nebenklage und Verteidigern fortgesetzt werden.

Quelle: DPA