Überraschendes Umfrage-Ergebnis: Mehrheit der Deutschen findet TTIP gut

Aktionstag in Berlin gegen das Freihandelsabkommen TTIP - laut einer Umfrage sind die Gegner allerdings in der Minderheit.
Aktionstag in Berlin gegen das Freihandelsabkommen TTIP - laut einer Umfrage sind die Gegner allerdings in der Minderheit.
© dpa, Jörg Carstensen

14. November 2014 - 16:49 Uhr

Vor allem Besserverdiener sind für das Handelsabkommen

Gegner des TTIP-Abkommens mit den USA brüsten sich mit langen Unterschriftenlisten - doch viele Bürger scheinen auch klar die Vorzüge zu sehen. Eine aktuelle Emnid-Umfrage für die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch zeigt: Fast jeder zweite Deutsche findet das umstrittene Handelsabkommen TTIP zwischen Europa und den USA gut.

Demnach halten 48 Prozent der Befragten den geplanten Vertrag zum Abbau von Handelsbarrieren für eine vernünftige Sache. Dagegen sind 32 Prozent. Nur ein Viertel der Bürger fordert einen Abbruch der Verhandlungen mit Washington, die 2016 abgeschlossen werden sollen. Die Einstellung zu TTIP hängt dabei auch vom Einkommen ab. Wohlhabende Bürger, die im Monat netto über 3.500 Euro verdienen, sind zu 61 Prozent für das Abkommen. Bei Geringverdienern mit weniger als 1.000 Euro pro Monat sind es laut Emnid nur 37 Prozent.

US-Kongresswahl: Rückschlag für TTIP bei Republikaner-Sieg?

Mit dem Handels- und Investitionsabkommen TTIP ('Transatlantic Trade and Investment Partnership') soll zwischen den USA und der Europäischen Union der größte Wirtschaftsraum der Welt entstehen. Befürworter glauben, dass es durch den Wegfall von Zöllen und gemeinsamen Industriestandards viele neue Jobs und mehr Wachstum gibt. Kritiker warnen, hohe europäische Standards bei Umwelt-, Arbeitnehmer- und Verbraucherschutz seien in Gefahr, weil die Politik die Interessen von Konzernen stärker im Blick habe. Besonders umstritten sind Regelungen für den Schutz von Investoren, die vor ausländischen Schiedsgerichten Staaten auf hohen Schadenersatz verklagen könnten.

Indes wird mit Spannung in Brüssel der Ausgang der US-Kongresswahl am nächsten Dienstag erwartet. Bei einem Sieg könnten die Republikaner versucht sein, TTIP als Prestige-Projekt des demokratischen US-Präsidenten Barack Obama zu blockieren. Dann wäre das Abkommen "tot", sagte der Vorsitzende des internationalen Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD). Traditionell aber haben die Republikaner stets die Interessen der US-Wirtschaft im Blick, die sich für TTIP stark macht.