Sie soll angeblich 340 Euro zahlen

Sperrstunde gebrochen - Corona-Bußgeld für Altenpflegerin? Polizei: "Wir kennen den Fall nicht"

Die Frau hatte angegeben, kontrolliert worden zu sein und keine Ausnahmebescheinigung dabei gehabt zu haben. Drei Wochen nach der Kontrolle sei dann der Bußgeldbescheid in Höhe von 340 Euro eingetroffen. Foto: Symbolbild
Die Frau hatte angegeben, kontrolliert worden zu sein und keine Ausnahmebescheinigung dabei gehabt zu haben. Drei Wochen nach der Kontrolle sei dann der Bußgeldbescheid in Höhe von 340 Euro eingetroffen. Foto: Symbolbild
© dpa, Ronny Hartmann, dna

03. Februar 2021 - 14:43 Uhr

Aufreger-Fall aus Stuttgart wirft zunehmend Fragen auf

Die Geschichte einer Altenpflegerin, die sich kurz vor Ende der Sperrstunde auf den Weg zur Arbeit gemacht und dafür angeblich ein saftiges Bußgeld kassiert haben soll, gibt der Stadt Stuttgart, dem Ordnungsamt und auch der Polizei Rätsel auf: Dort ist der Fall nicht bekannt – die Frau selbst hüllt sich unterdessen in Schweigen.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Polizei: "Auch wir kennen den Fall nur aus der Zeitung"

Der Fall hatte überregional Empörung ausgelöst, nun jedoch kommen Zweifel an der Geschichte auf. Eine Altenpflegerin in Ausbildung hatte behauptet, 340 Euro Bußgeld zahlen zu müssen, weil sie sich morgens um 04:50 Uhr – also zehn Minuten vor Ablauf der Sperrstunde – auf den Weg zur Arbeit gemacht habe. Damit habe sie gegen die nächtliche Ausgangssperre in Stuttgart zwischen 20 und 5 Uhr verstoßen. Eigentlich gilt diese nicht für Menschen in systemrelevanten Berufen auf dem Weg zur oder von der Arbeit, wenn sie dies glaubhaft belegen können. Die 29-Jährige hatte angegeben, dass sie auf Nachfrage keine Ausnahmebescheinigung habe vorlegen können.

Seltsam: Weder Stadt noch Polizei wissen von dem Fall, wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtet. "Wir kennen den Fall nicht", sagte Polizeisprecher Jens Lauer der StZ. Man habe ausführlich recherchiert und keinen Beleg für die Kontrolle gefunden. Das Blatt habe sich auch jenseits der Stadtgrenzen in den zuständigen Polizeipräsidien von Ludwigsburg, Reutlingen und Aalen umgehört – doch auch dort sei ein solcher Fall nicht aktenkundig.

Sechs Verstöße im Ordnungsamt registriert - keiner in Höhe von 340 Euro

Auch im Amt für öffentliche Ordnung könne man der Zeitung zufolge die Geschichte der Altenpflegerin nicht nachvollziehen. "Es wurden bislang erst sechs Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre eingeleitet", sagte Pressesprecher Sven Matis der StZ. Fünf Mal sei der Regelsatz von 75 Euro als Bußgeld verhängt worden, lediglich in einem Fall sei die Summe mit 275 Euro höher gewesen. "Da kam ein Verstoß gegen das Waffengesetz hinzu, es war ein verbotener Schlagstock im Auto", so der Sprecher.

Die Höhe des Bußgeldes hatte schnell Anlass zu Spekulationen geboten. So sei es möglich, vermutete die "Stuttgarter Zeitung" zunächst, dass weitere Tatbestände ursächlich gewesen sein könnten. In Anbetracht der neuen Erkenntnisse erscheint jedoch auch dieser Punkt in einem neuen Licht.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Geschichte frei erfunden? Wurde die Frau Opfer von Betrügern?

Ein weiterer Umstand, der in dem ominösen Fall Fragen aufwirft: Das Innenministerium Baden-Württemberg hatte das Gespräch mit der jungen Dame gesucht, man habe ihr laut StZ sogar finanziell entgegen kommen wollen. Wilfried Klenk (CDU), Staatssekretär im baden-württembergischen Innenministerium, hatte der Zeitung gesagt: "Der Fall bewegt mich." Man wolle schnellstmöglich eine Aufklärung herbeiführen.

Doch die Altenpflegerin habe plötzlich mit dem Fall und auch der Presse nichts mehr zu tun haben wollen. Ihr Vater sagte der "Stuttgarter Zeitung" lediglich: "Wir möchten die Sache auf sich beruhen lassen."

Die "Stuttgarter Zeitung" hatte die 29-Jährige wegen der Widersprüche um eine Stellungnahme gebeten, bislang habe sie sich zu der Anfrage aber nicht geäußert. Die StZ-Kollegen zweifeln mittlerweile an der Glaubwürdigkeit der Dame, wie RTL bei der Recherche erfuhr. Hat sie die Geschichte am Ende frei erfunden? Eine weitere Theorie ist. dass die Frau womöglich an Betrüger geraten sein könnte.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Corona-Virus hält die Welt seit Monaten in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt spannende Dokumentation zur Entstehung, Verbreitung und den Folgen der Pandemie.