Übergewicht bei Kindern: Werbung für die Kleinen muss reguliert werden

"Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau", heißt es im Bericht.
"Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau", heißt es im Bericht.
© Getty Images/iStockphoto, kwanchaichaiudom

25. Juli 2017 - 14:36 Uhr

Speziell an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel sollte nach Ansicht von Wissenschaftlern stärker reguliert werden. Denn schauen Kinder solche Werbung, dann essen sie mehr Süßigkeiten und fette Snacks - zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Langzeitstudie an rund 10.000 Kindern aus acht Ländern, darunter auch Deutschland.

Kleine Kinder sind Werbung schutzlos ausgesetzt

"Vor allem kleine Kinder können Werbung nicht vom Rest unterscheiden und sind ihr deshalb völlig schutzlos ausgesetzt", sagte Studienkoordinator Wolfgang Ahrens vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller für eine verantwortungsvolle Werbung für Kinder hätten nicht funktioniert, stellt der Bericht fest. "Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau", heißt es außerdem in dem Bericht.

Deutschland belegt beim Anteil übergewichtiger Kinder einen Platz im europäischen Mittelfeld: Hierzulande waren 16,5 Prozent der untersuchten Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren übergewichtig. In Belgien lag der Anteil mit 9,5 Prozent am niedrigsten, in Italien mit 42 Prozent am höchsten. In allen Ländern waren Mädchen eher betroffen als Jungen. Die Ergebnisse seien zwar nicht repräsentativ, sagte Ahrens. Für die Studie seien aber jeweils ländertypische Regionen ausgesucht worden, für Deutschland war dies Bremen.

Bewegung - Fehlanzeige: Kinder toben immer weniger

Nicht einmal ein Drittel der Kinder bewege sich mindestens eine Stunde täglich, konstatieren die Wissenschaftler. Der Anteil schwanke zwischen 2 Prozent der Jungen auf Zypern und 34 Prozent in Belgien. Die Autoren nehmen in ihrem Bericht die Politik in die Pflicht: Der Bewegungsmangel hänge eng mit der Bebauung zusammen, betonen sie: "Gut angelegte öffentliche Orte und sichere, gut angeschlossene Anlagen sind der Schlüssel dazu, die körperliche Bewegung zu steigern."

Kinder aus sozial benachteiligten Familien tendieren besonders stark zu Übergewicht, betonte Ahrens. Diese Gruppen müssten von der Politik stärker unterstützt werden. Gesunde Lebensmittel müssten für diese Verbrauchergruppe erschwinglicher werden. Dies wirke sich nicht nur auf das Gewicht der Kinder aus, sondern auch auf ihre spätere Gesundheit, etwa die Anfälligkeit für Herz-Kreislauferkrankungen.

"Bundesernährungsminister Christian Schmidt setzt im Kampf gegen Fehlernährung bei Kindern seit Jahren auf freiwillige Vereinbarungen", teilte die Organisation Foodwatch in einer Reaktion mit. "Dabei ist längst belegt, dass das nicht funktioniert. Die Hersteller machen die größten Profite mit Süßkram, Zuckergetränken und Knabberartikeln. Freiwillig werden sie nicht damit aufhören, genau diese Produkte für Kinder zu bewerben und deren Geschmack schon früh zu prägen."