Über 40 Tote bei Bombenanschlag in türkischer Grenzstadt Reyhanli

27. Mai 2013 - 9:32 Uhr

Assad-Schergen unter den "üblichen Verdächtigen"

Bei einer Anschlagsserie mit Autobomben an der türkischen Grenze zu Syrien sind mindestens 42 Menschen getötet worden. Zudem gebe es 140 Verletzte, sagte der türkische Vizeregierungschef Besir Atalay türkischen Medien. Die Hintergründe sind derzeit unklar. Die türkische Regierung erklärte aber, zu den Verdächtigen gehöre das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

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Die betroffene Stadt Reyhanli ist nicht weit entfernt vom Grenzübergang Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen.
© REUTERS, STRINGER/TURKEY

Die Attentäter hätten Kontakte zum syrischen Geheimdienst, zitierten türkische Medien Atalay. Die Organisation der Täter und ihre Hintermänner seien weitgehend bekannt. Zugleich sei völlig klar, dass syrische Flüchtlinge nicht hinter der Tat steckten.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die Anschläge könnten im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien stehen oder eine versuchte Sabotage der Friedensbemühungen im Kurden-Konflikt sein. Außenminister Ahmet Davutoglu bewertete die Taten als gezielt gegen sein Land gerichtete Provokationen.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Bülent Arinc sagte, die Streitkräfte von Syriens Präsident Assad gehöre zu den "üblichen Verdächtigen", die hinter dem Anschlag vermutet würden. "Wir wissen, dass die Menschen, die nach Hatay flüchten, zum Ziel für das syrische Regime geworden sind", sagte Arinc im türkischen Fernsehen.

Es handelt sich um den bislang schwersten Zwischenfall auf türkischer Seite der Grenze seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Assad im März 2011 im Nachbarland. Die Türkei steht auf der Seite der syrischen Aufständischen und hat zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien untergebracht. Erst jüngst hatte Ankara den Kurs gegen Damaskus noch einmal verschärft. Reyhanli ist nicht weit entfernt vom Grenzübergang Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen.

"Assads Geschenk an Reyhanli"

Davutoglu, der in Berlin war, wurde von türkischen Medien mit den Worten zitiert, dass hinter der Tat Kräfte stecken könnten, die den Frieden in der Türkei stören wollten. "Niemand sollte unsere Macht testen. Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen", sagte Davutoglu.

Die syrische Opposition verurteilte die Anschläge mit scharfen Worten. "Wer diese verabscheuungswürdigen Terroranschläge verübt hat, will damit die türkische Regierung, die dem syrischen Volk beisteht, für ihre ehrenhafte Haltung bestrafen", erklärte die Nationale Syrische Koalition in Istanbul. Ziel des Terrors sei es offensichtlich, einen Keil zwischen Syrer und Türken zu treiben.

Wie die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Innenminister Muammer Güler berichtete, explodierten zwei mit Sprengstoff präparierte Autos in Reyhanli unweit eines Verwaltungsgebäudes und einer Postfiliale. Mehrere Gebäude wurden schwer beschädigt.

In Fernsehbildern waren massive Zerstörungen zu sehen, eine Explosion hatte ein riesiges Loch in die Straße gerissen. Nach Angaben syrischer Aktivisten waren unter den Verletzten auch einige Syrer. Als Reaktion auf die Anschläge soll es in dem Ort auch zu Übergriffen der türkischen Bevölkerung auf syrische Flüchtlinge und auf Autos mit syrischen Kennzeichen gekommen sein. Syrische Revolutionäre kommentierten die Tat indes mit den Worten "Assads Geschenk an Reyhanli".

Erst im Februar hatte es in dem Grenzort einen schweren Anschlag gegeben. Damals waren bei der Explosion einer Autobombe zwölf Menschen getötet und rund 30 verletzt worden. In der Türkei waren in den vergangenen Monaten zudem immer wieder Granaten aus Syrien eingeschlagen. Die türkische Armee reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer.