Ungenehmigte Kundgebungen im ganzen Land

Proteste in Russland: Nawalnys Frau Julia zwischenzeitlich festgenommen

23. Januar 2021 - 21:49 Uhr

Polizei nimmt Demonstranten fest

Polizisten jagen Menschen durch die Straßen, Demonstranten werden geschlagen und in Transporter geschleift: Unter den festgenommenen Protestlern in Russland soll auch Julia Nawalny sein. Die Ehefrau des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny postete ein Foto auf Instagram, das sie in einem Gefangenentransporter nach ihrer Festnahme in Moskau zeigte. Für die Teilnahme an nicht genehmigten Kundgebungen drohen in Russland hohe Strafen. Trotzdem gingen bei einem landesweiten Protesttag Unterstützer des Kreml-Kritikers auf die Straße. Die Polizei griff in mehreren Städten hart durch und nahm Demonstranten fest – Aufnahmen davon zeigen wir im Video.

Julia Nawalny postet Verhaftung bei Instagram

"Entschuldigung für die schlechte Qualität", schrieb Julia Nawalny zu dem Foto. Das Licht in dem Polizeifahrzeug sei nicht besonders gut. Kurz zuvor hatte sie noch ein Foto von sich bei einer Kundgebung in Moskau gepostet, das sie inmitten einer Menschenmenge zeigt. Sie bedankte sich, dass so viele Menschen für die Freilassung ihres Mannes auf die Straße gegangen waren.

Wenige Stunden später wurde sie nach Medienberichten wieder freigelassen. Nawalnys Team veröffentlichte auch ein Foto von Nawalnys Mutter, die ebenfalls zur Demo gekommen war.

Bericht: Landesweit über 2.000 Festnahmen bei Nawalny-Demos

dpatopbilder - 23.01.2021, Russland, St. Petersburg: Polizisten stoßen mit Demonstranten zusammen, die gegen die Inhaftierung des Oppositionsführers Nawalny protestieren. Nawalnys Anhänger hatten für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten z
Nawalny-Protest in Sankt Petersburg: Demonstranten und Polizisten stoßen aufeinander
© dpa, Dmitri Lovetsky, DL lop

Mehr als 2.600 Menschen sind bei den Protesten in Russland für die Freilassung des Kremlkritikers Alexej Nawalny bis zum Samstagabend (Stand 21 Uhr) festgenommen worden. Das berichtete das Portal Owd-Info, das die Zahl der Festgenommenen landesweit dokumentierte. Demnach gab es die meisten Festnahmen in Moskau mit zunächst rund 800. In St. Petersburg waren es mehr als 300.

Kreml-Kritiker gehen bei Minusgraden auf die Straße

Die Anhänger des Oppositionspolitikers hatten in rund 90 Städten zu Protestaktionen aufgerufen. Sie fordern die Freilassung Nawalnys, der nach seiner Rückkehr aus Deutschland noch am Flughafen in Moskau festgenommen wurde.

Russische Menschenrechtler listeten insgesamt rund 100 Städte auf, in denen Demonstranten in Polizeigewahrsam kamen - in den meisten blieb es bei einzelnen Festnahmen. Beobachter sprachen landesweit von Zehntausenden Teilnehmern bei den Protesten.

Botschaft der Demonstranten: "Putin ist ein Dieb"

Reuters-Augenzeugen schätzten die Zahl der Demonstranten im Zentrum der russischen Hauptstadt Moskau auf mindestens 10.000. Das Innenministerium bezifferte die Zahl der Versammlungsteilnehmer auf rund 4.000, wie die amtliche Nachrichtenagentur Tass berichtete.

In der sibirischen Stadt Tomsk, wo Nawalny im August Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok wurde, sollen sich Menschen zur größten nicht genehmigten Demo seit Jahren versammelt haben. Auch in Chabarowsk, Irkutsk und Nowosibirsk sind laut Nawalnys Unterstützern Tausende Demonstranten bei eisigen Temperaturen auf die Straße gegangen. Ihre Botschaft: "Wir haben die Macht" und "Putin ist ein Dieb". Videoaufnahmen aus Wladiwostok an Russlands Pazifikküste zeigen Polizisten, die eine Gruppe von Demonstranten durch die Straßen jagen. Vielerorts sollen die Polizisten aber auch nicht eingegriffen haben, wie Video-Aufnahmen aus sozialen Netzwerken zeigen.

Festnahme bei Nawalny-Demonstration
Polizisten in Nowosibirsk tragen eine Demonstrantin bei einer unangemeldeten Nawalny-Kundgebung weg.
© imago images/ITAR-TASS, Kirill Kukhmar via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Nawalnys Team veröffentlichte Video, das Putins Palast zeigen soll

In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch. Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel "Ein Palast für Putin" ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein riesiges Anwesen am Schwarzen Meer bauen ließ. Der fast zweistündige Film hatte nach wenigen Tagen mehr als 65 Millionen Aufrufe auf Youtube. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe als "Unsinn" und "Lüge".

Nawalny selbst wurde in einem Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt, weil er gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Nawalny macht Kremlchef Wladimir Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für das Attentat verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück.