2019 M01 23 - 21:10 Uhr

Sind Stickoxid-Grenzwerte überhaupt sinnvoll?

Der Grenzwert für Stickstoffdioxid in Deutschland liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Damit dieser Wert überhaupt eingehalten werden kann, gibt es in immer mehr Innenstädten Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge. Aber wie sinnvoll ist das eigentlich? Lungenarzt Dieter Köhler hat gerade infrage gestellt, dass Stickstoffdioxid in dieser Konzentration gesundheitsschädlich ist. Und er ist nicht alleine.

Grenzwerten fehlt wissenschaftliche Basis

ARCHIV - 07.11.2017, Brandenburg, Prenzlau: Abgase kommen aus einem Auspuff eines VW Golf 2.0 TDI. (zu "Koalition will Paket gegen Diesel-Fahrverbote beschließen" vom 01.10.2018) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Alle Kritik vor Feinstaub und Stickstoffdioxid, die in der Öffentlichkeit kursiert, bezieht sich im Wesentlichen auf die gleichen Studien.
© dpa, Patrick Pleul, ppl;cse

Prof. Dr. Dieter Köhler ist nicht irgendein Lungenarzt. Drei Jahre lang war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Jetzt sorgte er mit einer Stellungnahme für Aufregung. "Den Grenzwerten für inhalative Schadstoffe fehlt oft die wissenschaftliche Basis", schrieb er in einem Brief an die Mitglieder der DPG. Wissenschaftliche Methoden würden durch Ideologien ersetzt.

Alle Kritik und alle Warnungen vor Feinstaub und Stickstoffdioxid, die in der Öffentlichkeit kursieren, beziehen sich laut Köhler im Wesentlichen auf die gleichen Studien. Und genau die Stellt Köhler infrage. Die Wissenschaftler hätten darin die Sterblichkeitsrate von Menschen in der Stadt, wo hohe Feinstaub- und Stickoxidwerte gemessen werden, und auf dem Land, wo die Werte niedrig sind, verglichen.

"Stickstoffdioxid entsteht immer wenn etwas verbrannt wird"

Zwar scheint das Sterberisiko für Stadtmenschen leicht erhöht zu sein. Doch Köhler weißt seinen Kollegen schwere methodische Fehler in den Studien nach. Zum Beispiel haben die Forscher Störfaktoren, wie Rauchen Bewegungsmangel oder Alkoholkonsum nicht herausgerechnet. Auch einen Schwellenwert, den es für jede giftige Substanz gebe, hätten die Forscher nicht bestimmt.

"Stickstoffdioxid entsteht immer wenn etwas verbrannt wird", erklärte der Lungenarzt im RTL-Interview. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter sei völlig willkürlich. "Man kann gut von 40 auf 50, auf 100 hochgehen, das ist jenseits von Gut und Böse", erklärte Köhler. "Die Gefährdung beginnt erst einige Größenordnungen darüber". Schon wenn man eine Kerze anzündet, läge der Wert über dieser Grenze, was auch gar nicht schädlich sei. Der Körper sei gewohnt, mit Stickstoffdioxid umzugehen und es einfach zu verstoffwechseln.

112 Lungenärzte unterstützen Köhler

Köhler ist mit seiner Kritik nicht alleine. Bisher haben 112 seiner Kollegen seine Stellungnahme unterzeichnet. "Angefragt wurden nur Lungenärzte oder Forscher, die sich mit dem Thema wissenschaftlich beschäftigt haben", heißt es über der Unterschriftenliste.

Ob ein Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überhaupt sinnvoll ist, ist wissenschaftlich gar nicht belegt, meinen all diese Ärzte. Und auch ob sich Dieselfahrverbote oder ein Tempobeschränkungen auf Autobahnen, wie sie die Umwelthilfe zuletzt forderte, vor diesem Hintergrund überhaupt rechtfertigen lassen, ist fraglich.

"Wir reden von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, das ist der Grenzwert. Ein Raucher beispielsweise erreicht über 200.000 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn er eine Zigarette raucht - und er fällt ja nicht tot um", sagte Köhler auch schon in der Sendung "Hart aber fair".