Naturschutz

Über 100 Azubis befestigen nach Flut das Ahrufer neu

Flutkatastrophe
Auszubildende der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung renaturieren einen Abschnitt der Ahr.
Thomas Frey/dpa

Junge Menschen aus ganz Deutschland haben Uferbereiche im Ahr-Flutgebiet neu gestaltet. Mit einer hier unbekannten Methode.

Lebende Weidenruten zwischen Holzpflöcken statt Betonsteine: Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal haben mehr als 100 angehende Wasserbauer in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Ufer des Flusses naturnah neu befestigt. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach am Dienstag von einem beeindruckenden freiwilligen Projekt von Auszubildenden der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) sagte, es sei schön, wenn Werkstücke angehender Wasserbauer nicht aus Platzgründen wieder abgerissen würden, sondern als natürlicher und dauerhafter Hochwasserschutz dienten. Zu sehen sei ein echtes Win-win-Ergebnis.

Laut der WSV waren die Azubis von Dezember 2021 bis Juli 2022 aus ganz Deutschland jeweils für eine Arbeitswoche nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gekommen, um auf rund 500 Metern Uferböschungen zu bepflanzen und Natursteinmauern zu setzen. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurde hier auch ein Lehrpfad mit Schautafeln zu dem Projekt sowie zu den Pflanzen und Tieren an der Ahr angelegt. Die Uferbefestigung mit wurzelschlagenden und somit stabilisierenden Weidenruten zwischen senkrechten Holzpfählen war hier laut der WSV eine neue ingenieurtechnische Methode - bislang hätten Wasserbauer sie nur in Norddeutschland umgesetzt. Würden die Experten die Ahrufer nicht befestigen, könnte die Strömung etwa Flusskurven immer mehr ausspülen und bebaute Flächen in Gefahr bringen, hieß es.

Die parteilose Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, sprach von einem schönen Etappenziel. Die angehenden Wasserbauer hätten sich hier beim insgesamt noch sehr lange dauernden Wiederaufbau austoben können. Bundesverkehrsminister Wissing ergänzte zum Ahrtal: Auch 14 Kilometer Schiene, 70 Kilometer Straße und über 100 Brücken werden so wiederaufgebaut, dass sie klimaresilienter und für künftige Extremwetterlagen besser gerüstet sind.

Kritiker etwa vom Naturschutzbund (Nabu) bemängeln, dass in anderen Kommunen das Flussbett nach der Flut teils begradigt, einige neu entstandene Nebenarme zugeschüttet und der Hochwasserschutz dort daher mit weniger Raum für die Ahr wieder verschlechtert worden sei. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte am Dienstag, der Umgang mit der Ahr habe nicht nur das Gewässer-Ökosystem stark geschädigt, sondern birgt auch zusätzliche Gefahren für kommende Hochwasser. Der Fluss und seine Nebengewässer hätten gezeigt, wo ihr Bett natürlicherweise liegen würde. Doch statt diesen Verlauf zu berücksichtigen, wurden die Gewässer in ihren alten Verlauf zurückgedrängt. Oft sind dabei unnatürliche und enge Flussbetten mit steilen Uferböschungen entstanden.

Bei der Hochwasserkatastrophe nach extremem Starkregen waren in dem großenteils engen Flusstal mindestens 134 Menschen getötet, Tausende Häuser verwüstet sowie weithin Ufergestaltungen zerstört worden. An diesem Donnerstag und Freitag (14. und 15. Juli) jährt sich die Katastrophe erstmals.