Über 1.000 Vermisste nach Waldbränden in Kalifornien

17. November 2018 - 20:31 Uhr

"Katastrophal, apokalyptisch"

Robert Koenig, aus Seminole Springs in Kalifornien hat alles verloren. Die verheerenden Brände haben nicht nur sein ganzes Haus und seinen ganzen Besitz, sondern auch die ganze Nachbarschaft zerstört. Von 215 Häusern in der Umgebung sind 101 abgebrannt, erzählt der Mann. "Katastrophal, apokalyptisch", sagt er angesichts der Zerstörung. Im Video sehen Sie das Interview mit Koenig.

Bisher wurden 76 Tote gefunden

Die Schäden, die die Großbrände in Kalifornien angerichtet haben, sind gigantisch. Die Einsatzkräfte suchen in den ausgebrannten Häusern auch immer noch nach Leichen. 76 Menschen starben bisher beim "Camp"-Feuer nordöstlich von San Francisco und beim "Woolsey"-Feuer nahe Los Angeles. Und die Opferzahlen könnten weiter steigen.

Besonders erschreckend ist nämlich die Zahl der Vermissten: mehr als 1.000 Personen. Zwar gehen die Behörden davon aus, dass nicht alle davon wirklich verschwunden sind. "Viele Leute sind vom Feuer vertrieben worden, und wir stellen fest, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass wir nach ihnen suchen", sagte Sheriff Kory Honea dem Sender CNN. Einige seien auch wegen ausgefallener Handynetze nicht erreichbar. Trotzdem geht die Suche nach Opfern unermüdlich weiter. In den Ruinen setzten Teams mit Spürhunden die Suche nach sterblichen Überresten fort. Viele der geborgenen Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Donald Trump macht das Forstmanagement verantwortlich

Suche nach Opfern der Waldbrände in Kalifornien
Die Rettungskräfte suchen in den verkohlten Siedlungen noch immer nach Leichen.
© dpa, John Locher, JL

Allein das "Camp Fire" im Norden konnte sich auf eine Fläche von fast 60.000 Hektar ausbreiten. Nach Angaben von Kaliforniens Feuerschutzbehörde wurden davon inzwischen 55 Prozent eingedämmt. Tausende Häuser waren aber nicht mehr zu retten.

Präsident Donald Trump besuchte die betroffenen Gebiete in Kalifornien, um sich ein Bild von der Lage dort zu machen. Trump besuchte dort einen Wohnwagenpark, von dem nur noch Trümmer übrig waren. Aufnahmen zeigten ausgebrannte Autos, verkohlte Öfen und ein Haus, von dem nur noch der Schornstein stand. Im Anschluss reiste der Präsident weiter in eine Einsatzzentrale in Chico. Dort pries er erneut die Arbeit der Rettungskräfte. Sie würden "wie verrückt" gegen die Brände kämpfen. Es sei eine "totale Verwüstung", erklärte er. Trump macht für die schlimme Lage das Forstmanagement verantwortlich.

Der kalifornische Feuerwehrverband sieht das völlig anders: Die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten. Zudem seien fast 60 Prozent der kalifornischen Wälder unter Bundeskontrolle und nur rund ein Drittel in privater Hand. Experten bezeichneten eine lange Dürre, verdorrte Vegetation und extreme Winde als Mitursachen für das Ausmaß der Brände.