Letztes TV-Duell vor der Wahl

TV-Duell Biden und Trump im Faktencheck: Wo wurde gelogen?

23. Oktober 2020 - 8:11 Uhr

Vor allem Trump fiel bisher durch Falschaussagen auf

Donald Trump und Joe Biden treffen bei einer letzten TV-Debatte ein letztes Mal direkt aufeinander. Beim ersten Duell fiel vor allem Amtsinhaber Trump durch falsche Aussagen auf. Es wurde heftig diskutiert, diesmal allerdings deutlich weniger chaotisch als beim ersten Mal  – hier ein Blick auf die Behauptungen und der dazugehörige Faktencheck.

22.10.2020, USA, Nashville: Donald Trump, Präsident der USA, beim letzten TV-Duell in der Belmont University. Zwölf Tage vor der Wahl sind US-Präsident Trump und sein Herausforderer Biden zu ihrem zweiten und letzten TV-Duell zusammengekommen. Foto:
Donald Trump
© dpa, Julio Cortez, JDA PMM pat

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TRUMPS BEHAUPTUNG: Das Coronavirus wird "verschwinden" und die Pandemie schon bald zu Ende sein.

BEWERTUNG: Das steht im Widerspruch mit Aussagen von Wissenschaftlern und der gegenwärtigen Entwicklung.

FAKTEN: Wissenschaftler wie der US-Immunologe Anthony Fauci gehen davon aus, dass es angesichts der weltweiten Verbreitung des Coronavirus nicht mehr möglich ist, den Erreger komplett auszurotten. Selbst wenn es einem Land gelingt, zeitweise keine bekannten Neuinfektionen mehr zu haben, kann sich das Virus wieder verbreiten. Das hat sich zum Beispiel in Neuseeland gezeigt. Die beste Hoffnung, das Virus einzudämmen, liegt Experten zufolge in einem wirksamen Impfstoff. Doch selbst mit Impfung dürfte es noch viele Jahre immer wieder Infektionen geben.

Trumps Prognose steht zudem im Widerspruch zur Entwicklung in den USA. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt wieder auf knapp 63.000 innerhalb von 24 Stunden, Tendenz steigend. In den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge bereits 8,4 Millionen bestätigte Corona-Infektionen. Fast 223.000 Menschen starben nach einer Infektion - so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

22.10.2020, USA, Nashville: Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, lacht beim letzten TV-Duell in der Belmont University. Zwölf Tage vor der Wahl sind US-Präsident Trump und sein Herausforderer Biden zu ihrem zweiten und letzten TV-Duell
Joe Biden im TV-Duell
© dpa, Patrick Semansky, JDA PMM pat

TRUMPS BEHAUPTUNG: Ich bin immun gegen das Coronavirus.

BEWERTUNG: Trump schränkte seine Aussage zwar selbst ein. Allerdings gibt es noch viele Unklarheiten über die Immunität nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

FAKTEN: Experten gehen davon aus, dass Menschen nach einer Corona-Infektion vermutlich immun sind. Für wie lange und wie absolut ein Schutz existiert, ist aber noch unklar. Das Robert Koch-Institut etwa schreibt dazu: "Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird." Studien in der Fachzeitschrift "Science Immunology" schlussfolgern, dass die Immunantwort des Körpers nach einer Corona-Infektion mindestens drei Monate anhalte.

TRUMPS BEHAUPTUNG: Biden hat 3,5 Millionen Dollar von Russland bekommen.

BEWERTUNG: Dafür gibt es keine Beweise.

FAKTEN: Trumps Vorwurf gegen Biden ist neu. Ein ähnlicher Vorwurf war zuvor aber in Richtung von Bidens Sohn Hunter geäußert worden. Auch dafür gab es allerdings keine Beweise. Eine Untersuchung der Republikaner im US-Senat kam zu dem Schluss, dass die Witwe des ehemaligen Bürgermeisters von Moskau, Elena Baturina, im Februar 2014 ein Beraterhonorar in Höhe von 3,5 Millionen US-Dollar auf das Bankkonto der Firma Rosemont Seneca Thornton überwiesen hat. In einem Bericht zu der Untersuchung hieß es, dass Hunter Biden 2013 die Investmentgesellschaft mitbegründet hatte.

Hunter Bidens Anwalt, George Mesires, erklärte nach der Veröffentlichung gegenüber US-Medien wie der "Washington Post", dass sein Mandant weder Anteile an der Firma halte noch ein Mitbegründer von ihr war. Der Vorwurf, Hunter Biden habe 3,5 Millionen US-Dollar von Baturina erhalten, sei demnach falsch. Joe Biden sagte am Donnerstagabend, er selbst habe niemals auch nur einen "Penny" aus einem anderen Land angenommen.

TRUMPS BEHAUPTUNG: Meine Korea-Politik hat Millionen Leben gerettet.

BEWERTUNG: Für die Aussage gibt es keine Grundlage.

FAKTEN: Trump hat sich drei Mal mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un getroffen, um das Land zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen. Dies ist aber bislang nicht gelungen. Seit einem gescheiterten Gipfeltreffen Kims und Trumps im Februar 2019 kommen die Nuklearverhandlungen mit den USA in Vietnam nicht mehr voran.

BIDENS BEHAUPTUNG: Trump hat ein geheimes Konto in China.

BEWERTUNG: Das ist laut Trump nicht mehr aktuell.

FAKTEN: Die "New York Times" hatte diese Woche über die Existenz eines bisher unbekannten Kontos von Trump in China berichtet. Es tauche nicht in öffentlich zugänglichen Auflistungen von Trumps persönlichen Vermögenswerten auf, da es unter dem Firmennamen Trump International Hotels Management geführt werde, schrieb die Zeitung. Die Journalisten der "New York Times" haben Steuerunterlagen von Trump und seiner Firmen aus rund zwei Jahrzehnten in die Hand bekommen und hat dazu verschiedene Artikel veröffentlicht.

Trump sagte in der TV-Debatte, dass er das Konto schon vor Jahren geschlossen habe. Er habe damals überlegt, in den Hotelmarkt in China einzusteigen, sich aber dagegen entschieden.

BIDENS BEHAUPTUNG: Trumps Politik hat dazu geführt, dass das Handelsdefizit mit China größer geworden ist.

BEWERTUNG: Das stimmt nicht.

FAKTEN: Das Handelsdefizit ist im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Das dürfte eine unmittelbare Folge des von Trump angezettelten Handelskriegs mit China mit Maßnahmen wie höheren Zöllen sein. 2018 betrug das Defizit aus US-Sicht rund 419 Milliarden Dollar, 2019 nur noch rund 345 Milliarden, wie aus Zahlen des U.S. Census Bureau hervorgeht.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres verringerte sich das Handelsdefizit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls, was auch an der Corona-Pandemie liegen dürfte. Als Handelsdefizit wird ein Überschuss der Einfuhren über die Ausfuhren bezeichnet. Trump hatte den Handelskrieg angezettelt, weil er das Handelsdefizit mit China senken wollte.

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