Tugce-Prozess: Verteidiger hält Richter für befangen

Der 18-jährige Sanel M. steht wegen dem Tod von Tugce vor Gericht.
Der 18-jährige Sanel M. steht wegen dem Tod von Tugce vor Gericht.

30. Mai 2015 - 15:40 Uhr

Polizeibeamte von vor Ort werden verhört

Die Verteidigung im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce hat einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Jens Aßling gestellt. Aßling habe die Ereignisse, die in dem Tat-Video vom Parkplatz in Offenbach zu sehen seien, in einem Schreiben verzerrt dargestellt, begründete Anwalt Stephan Kuhn vor dem Landgericht Darmstadt seinen Antrag.

Richter Aßling habe die Situation unmittelbar vor dem tödlichen Schlag so beschrieben, als ob der Angeklagte Sanel M. auf Tugce zugegangen und zurückgehalten worden sei. Das Video zeige aber, dass die 22-Jährige auf Sanel M. zugegangen sei. Oberstaatsanwalt Alexander Homm konnte den Antrag nach eigenen Worten nicht nachvollziehen: "Die Verhandlung wird bisher unvoreingenommen geführt."

Über den Befangenheitsantrag entscheidet ein Mitglied einer anderen Strafkammer des Landgerichts zusammen mit den Beisitzern aus der Tugce-Kammer. Mit einem Ergebnis wurde nicht mehr für Freitag gerechnet. Prozessbeobachter gingen davon aus, dass der Antrag keine große Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

Sanel M. steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Dem 18-Jährigen wird vorgeworfen, Tugce im November 2014 auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Restaurants in Offenbach so heftig ins Gesicht geschlagen zu haben, dass sie stürzte, mit dem Kopf hart aufschlug und später starb. Die Kammer hatte am siebten von zehn geplanten Verhandlungstagen insgesamt 18 Beamte geladen, aber nicht alle konnten erscheinen. Unter ihnen sind Polizisten, die am Tatort waren.