Tugce-Prozess: Anklage fordert drei Jahre Jugendknast

Die Anklage fordert in ihrem Plädoyer drei Jahre und drei Monate Jugendstrafe.
Die Anklage fordert in ihrem Plädoyer drei Jahre und drei Monate Jugendstrafe.
© dpa, Boris Roessler

17. Juni 2015 - 14:28 Uhr

"Erhebliche Schuld"

Der Prozess um den gewaltsamen Tod der Lehramts-Studentin Tugce geht in die letzte Phase. Vor dem Landgericht Darmstadt wurden die Plädoyers der Anklage, der Nebenklage und der Verteidigung gesprochen. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung für den Angeklagten Sanel M.

Bei dem 18-Jährigen liege eine "erhebliche Schuld", begründete die Anklage die Forderung. Außerdem sehe man bei dem jungen Mann eine "schädliche Neigung". Dem 18-Jährigen wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Sanel M. soll die 22-Jährige im November 2014 vor einem Schnellrestaurant in Offenbach brutal ins Gesicht geschlagen haben. Die Studentin stürzte und starb wenige Tage später an ihrer Kopfverletzung. Durch den Aufschlag hatte sie eine Hirnblutung erlitten.

Verteidigung plädiert für Bewährungsstrafe

Die Verteidigung forderte eine Jugendstrafe zur Bewährung, ohne ein genaues Strafmaß zu nennen. Man könne Sanel M. nicht wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilen, weil die Folgen für den Angeklagten nicht absehbar waren. Ein Urteil in dem Prozess könnte bereits am 16. Juni vom Vorsitzenden Richter Jens Aßling verkündet werden.

Auch Sanel M. äußerte sich, nachdem die Plädoyers gesprochen waren. "Ich kann nur sagen, dass es mir leidtut." Egal, was bei dem Verfahren herauskomme, er müsse damit leben, dass seinetwegen ein Mensch tot sei. "Ich kann das nie wieder gut machen", sagte der 18-Jährige.

Der mutmaßliche Täter kann mit einer Jugendstrafe rechnen. Bis das Urteil gesprochen ist muss der Angeklagte weiter in Untersuchungshaft bleiben. Eine Beschwerde des jungen Mannes wurde vom Oberlandesgericht Frankfurt abgelehnt. Es bestehe weiterhin dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr, hieß es in der Begründung. Das Gericht befürchtet, dass Sanel M., der massiv bedroht würde, sich ins Ausland absetzten könnte.

Der Vorfall vor dem Fastfood-Restaurant hatte bundesweit große Anteilnahme ausgelöst, weil Tugce zwei jüngere Mädchen vor dem Angeklagten beschützt haben soll. Im Prozess gab es zu diesem Punkt jedoch widersprüchliche Aussagen.

Die Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage legen nahe, dass der Fall in vielen Punkten ungeklärt bleibt. Oberstaatsanwalt Alexander Homm sagte, dass es in dem Fall nicht nur "Schwarz-Weiß, sondern viele Grautöne" gäbe. Auf beiden Seiten habe es Provokationen und Beleidigungen gegeben. Sanel M. sei kein aggressiver "Koma-Schläger" und Tugce keine "nationale Heldin". Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.