Türkischer Fußballverband sperrt Deniz Naki wegen Facebook-Post für 12 Spiele

© dpa, Malte Christians

9. Februar 2016 - 10:58 Uhr

Die politischen Eskalationen in der Türkei machen auch vor dem Sport nicht halt. So hat sich im nationalen Fußball-Pokal eine beschämende Geschichte ereignet, die zeigt, wie gehorsam auch der türkische Fußballverband dem Repressions-Kurs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Folge leistet.

Das war passiert: Deniz Naki hatte mit Drittligist Amed SK den Erstligisten Bursaspor im Achtelfinale sensationell aus dem türkischen Pokal geworfen. Daraufhin widmete der in Düren geborene ehemalige Profi des FC St. Pauli sowie SC Paderborn auf Facebook den Sieg "den Menschen in den Kriegsgebieten". Zudem forderte er Freiheit für alle. Es wurde ihm zum Verhängnis.

Das 'Problem': Amed SK ist ein Verein aus Diyarbakir, der kurdischen Metropole im Südosten des Landes, Bürgerkriegsgebiet. Seit Monaten steht die Stadt im Zentrum der Kämpfe des türkischen Militärs gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und insbesondere die kurdisch-islamistische Partei Hür Dava Partisi.

"Die Kinder sollen nicht sterben, sie sollen zum Fußball"

Bei den Straßenkämpfen in Diyarbakir (kurdischer Name: Amed) sind bislang mehrere hundert Menschen getötet worden. Neben türkischen Soldaten und kurdischen Freiheitskämpfern auch Zivilisten und Kinder. Naki wollte ein Zeichen setzen. Ein Symbol für Völkerverständigung und Frieden. Als Sportler, aber vor allem als Mensch. Doch das war zu viel für den türkischen Verbandes TTF. Weil sein Post als antitürkische Propaganda und pro PKK eingestuft wurde, sperrte ihn die TTF für 12 Spiele.

Naki, der beim 2:1-Sieg in Bursa den Siegtreffer erzielt hatte, ist damit auch im Viertelfinale gegen den Traditionsclub Fenerbahce Istanbul gesperrt. Zudem muss Amed SK im größten Spiel seiner Vereinsgeschichte ohne Fans auskommen. Der Verband verhängte wegen propagandistischer Fangesänge eine Strafe von einer Partie ohne Publikum plus einer Geldstrafe von ca. 6.200 Euro. Für Amed SK nichts neues: Insgesamt musste der Club wegen Fanparolen wie "Die Kinder sollen nicht sterben, sie sollen zum Fußball" oder "Amed ist überall, Freiheit ist überall" schon rund 65.000 Euro Strafe zahlen, was etwa ein Zehntel seines Jahresbudgets bedeutet.