Türkische Polizei sprengt Hochzeit im Gezi-Park mit Wasserwerfern

04. August 2013 - 19:52 Uhr

Demonstranten-Paar gerät zwischen die Fronten

Sie hatten sich bei den seit Ende Mai andauernden Protesten in der Türkei kennengelernt und verliebt. Jetzt gaben sie sich da Ja-Wort und luden zu einer öffentlichen Hochzeitsfeier im Gezi-Park. Dem Demonstranten-Paar gelang die Provokation – die türkische Polizei sperrte den Park jedoch am Taksim-Platz und sprengte die Feier mit Wasserwerfern.

Demonstranten-Paar heiratet im Gezi-Park
Sie lernten sich bei den Protesten kennen und heirateten nun in aller Öffentlichkeit im türkischen Gezi-Park - doch das Demonstranten-Paar geriet heftig zwischen die Fronten.
© dpa, Erdem Sahin

Die Braut verbreitete Bilder über Twitter. Sie trägt neben einem weißen Hochzeitskleid auch einen weißen Helm und eine mit Blumen geschmückte Gasmaske. Der Bräutigam trägt einen roten Helm – Bilder des Protestes.

Wie Augenzeugen berichteten, setzte die Polizei neben Wasserwerfern auch Plastikgeschosse ein. An den neuerlichen Protesten gegen die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beteiligten sich mehrere Hundert Menschen. Das Wasser der Wasserwerfer war zeitweise mit einer Chemikalie versetzt, die ähnlich wie Tränengas wirkt.

Demonstranten klagten über Beschwerden an den Augen und in den Atemwegen. Offenbar können Wasserwerferpiloten die unbekannte Substanz dem Wasser auf Knopfdruck hinzumischen. Das Wasser färbt sich dann orange, Wasser und Sprühnebel rufen teils schwere Reizungen hervor. Polizisten verfolgten Demonstranten in Seitengassen der Einkaufsstraße Istiklal Caddesi, die zum Taksim-Platz führt. Demonstranten berichteten über Twitter von Festnahmen. In der Fußgängerzone waren zum Zeitpunkt des Wasserwerfereinsatzes auch zahlreiche Passanten und ausländische Touristen unterwegs.

Gezi-Park ist Symbol der Proteste

Insgesamt sind die Proteste in der Türkei etwas abgeebbt. Sie hatten sich an Regierungsplänen entzündet, den Gezi-Park zu bebauen, richten sich inzwischen aber vor allem gegen den autoritären Regierungsstil. Der Gezi-Park ist zum Symbol der Proteste geworden.

Das harte Vorgehen gegen Demonstranten hat die türkische Regierung nach einer Umfrage Sympathiepunkte bei den Wählern gekostet. Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) käme im Falle einer Parlamentswahl nur noch auf 44,1 Prozent, zitierte die Zeitung 'Hürriyet Daily News' aus einer Umfrage des Meinungsinstituts Sonar. Im Februar 2012 seien es noch 53,2 Prozent und im vergangenen November 47,3 Prozent gewesen.