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Türkische Gemeinde befürwortet NSU-Urteil und fordert weitere Strafverfahren

Gökay Sofuoglu, der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD).
Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Gökay Sofuoglu, fordert weitere Strafverfahren gegen mögliche NSU-Unterstützer. © deutsche presse agentur

"Unterstützernetzwerk des NSU" im Fokus

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat die Verurteilung von Beate Zschäpe befürwortet. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess wurde vor dem Oberlandesgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotzdem forderte der Verband weitere Strafverfahren gegen "das Unterstützernetzwerk des NSU". Ohne eine lückenlose Aufarbeitung der Hintergründe könne keine Familie mit den Morden abschließen.

"Unser Vertrauen in die staatlichen Institutionen ist zutiefst erschüttert"

"Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele andere haben den Opfern eine lückenlose Aufklärung versprochen. Dieses Versprechen wurde gebrochen", kritisierte der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoglu. Die Bundesanwaltschaft habe in dem langen Prozess Erkenntnisse aus parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und zahlreichen Recherchen der Zivilgesellschaft nicht berücksichtigt und sich auf die Theorie eines isolierten Terror-Trios versteift.

"Der NSU ist nachweislich keine Zelle, sondern ein nachhaltig strukturiertes Terror-Netzwerk, welches bis heute noch nicht zerschlagen ist", heißt es deshalb in einer Mitteilung des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Die Aufdeckung dieses Netzwerkes schulde man den Opfern und ihren Hinterbliebenen. "Wenn das Gericht ehrlich ist, wird es auch noch sagen, dass Lücken geblieben sind. Solange diese Lücken bleiben, können meine Familie und ich nicht abschließen", betonte Gamze Kubasik, die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik.

Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt
Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt Urteil im NSU-Prozess 01:22


Die Türkische Gemeinde unterstüzt die Position der Angehörigen. Die Mordserie des NSU und die Reaktion des Staates auf den rechtsextremistischen Terror hätten die Menschen türkischer Herkunft stark verunsichert. "Unser Vertrauen in die staatlichen Institutionen ist zutiefst erschüttert", so Sofuoglu vom TGD. Dieses Vertrauen könne nur durch "weitere Strafverfahren gegen die konkret benannten Nazis und V-Personen im NSU-Komplex" zurückgewonnen werden.

Der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) war 2011 aufgeflogen. Zschäpe hatte fast 14 Jahre lang mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin.

Quelle: DPA, RTL.de

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