Türkei-Wahl in Deutschland endet – Erdogan kämpft um die letzten Stimmen

19. Juni 2018 - 12:34 Uhr

Wahlkampf spaltet in der Türkei und im Ausland

Endspurt für die in Deutschland lebenden Türken: Bis Dienstagabend um 21 Uhr können sie ihre Stimmen für die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei abgeben. Bisher liegt die Wahlbeteiligung der Türken in Deutschland bei gut 40 Prozent. Rekordwerte gibt es aus Essen zu vermelden, über 60.000 Menschen sind dort wählen gegangen. Unterdessen wird beim Wahlkampf in der Türkei deutlich, wie gespalten das Land ist.

Droht Erdogan die Stichwahl?

18.06.2018, Türkei, Samsun: Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, spricht während einer Wahlkampfveranstaltung zu Unterstützern seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. In der Türkei finden am 24. Juni Parlaments- und Präsidentschaf
Immer noch jubeln Erdogan die Massen zu - doch die Opposition zeigt sich ungewohnt geschlossen.
© dpa, -, afn nwi

Selten waren die Stimmen aus dem Ausland für Recep Tayyip Erdogan wichtiger als in diesem Jahr. Glaubt man den Umfragen, könnte dem amtierenden Staatspräsidenten ein unerwartet enges Rennen bevorstehen. Erstmals seit Jahren wittert die Opposition Morgenluft. Der Präsidentschaftskandidat der größten Oppositionspartei CHP, Muharrem Ince, scheint die Menschen in der Türkei begeistern zu können. Ince gibt sich schlagfertig und angriffslustig, nennt Erdogan "einen müden Mann". Wie sehr die Kandidaten polarisieren, sehen Sie im Video.

Laut Umfragen wird Erdogan bei der Präsidentenwahl am 24. Juni von den sechs Kandidaten voraussichtlich die meisten Stimmen gewinnen – fraglich ist, ob er mit über 50 Prozent direkt gewählt wird. Gelingt ihm dies nicht, droht eine Stichwahl, seine Partei AKP soll sich darauf bereits vorbereiten. Das teilte die "Deutsche Presse Agentur" am Montag mit. Spätestens in der Stichwahl dürfte Erdogan dann vermutlich gewinnen. Dennoch wäre es für die türkische Opposition ein symbolischer Erfolg, Erdogan in eine zweite Wahlrunde zu zwingen.

Hohe Wahlbeteiligung in Essen

07.06.2018, Niedersachsen, Hannover: Wahlberechtigte stehen vor der Stimmabgabe in der Halle 21 auf dem Messegelände. Für die Wahl am 24. Juni in der Türkei können in Norddeutschland lebende Türken ihre Stimme wieder auf dem Messegelände in Hannover
40 Prozent der wahlberechtigten Türken in Deutschland haben abgestimmt - wie hier in Hannover.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst lof

In Deutschland liegt die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei 40 Prozent, insgesamt hatten bis einschließlich Sonntag 588.209 Türken abgestimmt. Mit 54,5 Prozent Wahlbeteiligung liegt Essen deutlich vor Stuttgart (46,1 Prozent) und Köln (45,5). Am türkischen Verfassungsreferendum im April 2017 hatten sich 48,8 Prozent der in Deutschland registrierten Wähler beteiligt.

Für den türkische Staatspräsident Erdogan sind die im Ausland lebenden Türken eine wichtige Zielgruppe, schließlich stellen sie mehr als fünf Prozent aller türkischen Wähler. In Deutschland leben 1,44 Millionen wahlberechtigte Türken. "Niemand kann den Unterschied zwischen einer starken Türkei und einer schwachen Türkei, die hinter euch steht, besser beurteilen als ihr!", beschwört Erdogan deshalb im Wahlkampf seine Anhänger im Ausland. An den Grenzübergängen zur Türkei können im Ausland lebende Türken ihre Stimme noch bis zum eigentlichen Wahltag am 24. Juni abgeben.