Erdogan hat die Geduld verloren

Türkei schiebt IS-Anhänger nach Deutschland ab

11. November 2019 - 22:52 Uhr

Deutschland muss Staatsbürger zurücknehmen

Die Türkei hat einen Islamisten nach Deutschland abgeschoben. Neun weitere sollen bis zum Ende der Woche folgen, darunter auch Frauen und Kinder. Wenn die Nationalität einwandfrei geklärt ist, ist Deutschland verpflichtet, diese Menschen aufzunehmen.

Handelt es sich wirklich um IS-Anhänger?

Ministerpräsident Erdogan hat die Geduld verloren. Mehr als 1.000 mutmaßliche IS-Anhänger sitzen in türkischen Gefängnissen, mehr als die Hälfte von ihnen ausländische Staatsbürger. "Die Türkei hat wiederholt gefordert, dass IS-Kämpfer zurückgeholt werden müssen", berichtet RTL-Korrespondentin Kavita Sharma aus Istanbul. Die Informationen darüber, wer da nun eigentlich kommt, sind spärlich.

Der erste Rückkehrer hat nach Erkenntnissen der Bundesregierung keine Beziehung zum IS. Nach dpa-Informationen soll am Donnerstag eine siebenköpfige Familie aus Niedersachsen zurückgebracht werden. Sie soll der salafistischen Szene in Deutschland nahe stehen und war im März in der Türkei festgenommen worden. Am Freitag schickt die Türkei dann zwei deutsche Frauen zurück, die aus einem IS-Gefangenenlager in Nordsyrien entkommen sein sollen und wenig später gefasst wurden.

Um zu klären, ob es sich tatsächlich um IS-Anhänger handelt, will sich Berlin jetzt mit Ankara austauschen. Und die Bundesregierung erwartet, die Informationen schnell und ausführlich zu bekommen, "um auch überprüfen zu können, ob es Verbindungen zum IS gibt. Und wenn ja, ausreichend gerichtfeste Beweise zu haben, um jemanden dann in Haft zu nehmen und auch vor Gericht zu stellen", sagte Außenminister Heiko Maas (SPD).