„Kommt in die Türkei, kommt nach Istanbul zum Basar“

Istanbul versucht den langsamen Neustart

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02. Juni 2020 - 15:30 Uhr

Von Kavita Sharma

Als wir den Großen Basar betreten, wird erstmal Fieber gemessen. Gleich am Eingang soll man sich die Hände desinfizieren. Wochenlang war der jahrhundertealte Basar geschlossen. Jetzt dürfen die Händler hier wieder ihre Geschäfte öffnen. In der Türkei werden ab jetzt viele Corona-Restriktionen gelockert.

„Es war an der Zeit, den Bazaar wieder zu öffnen“

Ein Mann schubbt den Boden vor den Länden auf dem Bazar.
Ein Mann schubbt den Boden vor den Länden auf dem Bazar.
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Bei unserem Besuch werden Böden geschrubbt, die Händler tragen Masken, in den Läden stehen Desinfektionsmittel zur Verfügung. Schilder auf dem Boden erinnern die Besucher daran, Abstand zu halten. Wir treffen ein Paar, das sich hier einen neuen Koffer kaufen will. Die Frau sagt, sie sei glücklich, dass sie auf dem Basar wieder einkaufen kann, sie fühle sich hier auch angesichts der Hygiene Maßnahmen sicher. "Es war an der Zeit, den Basar wieder zu öffnen", sagt sie uns. Noch ist es hier allerdings leerer als gewöhnlich.

"Kommt in die Türkei, kommt nach Istanbul zum Basar"

 Schalverkäufer Oktay May sagt: „Keine Touristen, kein Business“
Schalverkäufer Oktay May sagt: „Keine Touristen, kein Business“
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Der Basar ist normalerweise auch ein Touristenmagnet. Der internationale Flugverkehr soll aber erst am 10 Juni wieder losgehen. Schalverkäufer Oktay May sagt: "Keine Touristen, kein Business". May bittet uns auszurichten: "Kommt in die Türkei, kommt nach Istanbul zum Basar, es gibt hier kein Problem!"

"Das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe"

Der Bazaar ist normalerweise auch ein Touristenmagnet.
Der Bazaar ist normalerweise auch ein Touristenmagnet.
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Besonders nachdem die Tore des Basars so lange geschlossen waren, muss das Geschäft jetzt wieder anziehen, sagt uns ein Verkäufer in einem Goldladen. Er macht sich zwar noch keine Sorgen um sein Geschäft, aber für kleinere Läden könnte es eng werden: "Ich bin hier seit 25 Jahren, ich habe schon vieles gesehen, aber das hier ist das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe."

Moscheen öffnen unter strengen Auflagen

Auf dem Boden der Moschee sind Markierungen zu sehen, die den Sicherheitsabstand anzeigen.
Auf dem Boden der Moschee sind Markierungen zu sehen, die den Sicherheitsabstand anzeigen.
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Auch Moscheen wurden teilweise wieder für gemeinsame Gebete geöffnet, allerdings unter strengen Auflagen. Es herrscht unter anderem Maskenpflicht. Bei unserem Besuch sehen wir die Markierungen auf dem Boden, die den Sicherheitsabstand anzeigen, der beim Beten eingehalten werden muss.

Abdullah M, den wir dort treffen, freut sich über die Lockerungen für die Moscheen, aber das nun auch wieder Cafes und Restaurants den Betrieb aufnehmen dürfen, sei verfrüht, findet der junge Mann. "Restaurants und Cafes sind nicht so wichtig", sagt uns Abdullah. Er hat Angst, dass so die Corona-Infektionen wieder ansteigen.

"Wir hatten davor mehr Freiheiten"

„Wir hatten davor mehr Freiheiten, jetzt müssen wir an die Hygiene denken, noch mehr als an den Service“, sagt Calik.
„Wir hatten davor mehr Freiheiten, jetzt müssen wir an die Hygiene denken, noch mehr als an den Service“, sagt Calik.
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Wir besuchen ein Cafe im Stadtteil Besiktas. Manager Safak Calik hat Sicherheitshinweise des Gesundheitsministeriums ausgedruckt und an die Wände gehängt. Es gibt Desinfektionsmittel und einige Tische müssen frei bleiben, damit seine Kunden den nötigen Abstand wahren. Calik und seine Kollegen tragen Masken.

Calik erzählt uns man halte alles so sauber und steril wie möglich. Calik sagt, all das sei wichtig, aber es stelle ihn und seine Kollegen auch vor Herausforderungen: "Wir hatten davor mehr Freiheiten, jetzt müssen wir an die Hygiene denken, noch mehr als an den Service."

Manche rechnen mit zweiter Infektionswelle

In Caliks Cafe wird sehr auf die Hygiene geachtet.
In Caliks Cafe wird sehr auf die Hygiene geachtet.
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Aber nicht jeder ist überzeugt, dass mit solchen Vorsichtsmaßnahmen eine zweite Infektionswelle verhindert werden kann "Ihr werdet sehen, die Leute werden überhaupt nicht mehr vorsichtig sein," sagt ein älterer Mann, den wir auf der Straße treffen. Wer am Ende Recht behält, wird sich auch an den Infektionszahlen ablesen lassen.