Türkei bombardiert erstmals IS-Ziele in Syrien

29. Juli 2015 - 14:44 Uhr

Umdenken nach langem Zögern

Die türkische Regierung hat Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien bestätigt. Das ist eine Kehrtwende in der bisherigen Syrien-Politik der Türkei, die eine aktive Rolle im Kampf gegen den IS stets vermieden hatte.

Ministerpräsident Erdogan
Ministerpräsident Erdogan hatte den Vormarsch der Terrormiliz im Nachbarland bislang geduldet.
© REUTERS, STRINGER

Drei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 seien am Freitag vor Sonnenaufgang vom Stützpunkt Diyarbakir aufgestiegen uns hätten drei Ziele im Norden des Nachbarlandes beschossen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten in einer Erklärung mit. "Die türkische Republik ist entschlossen, alle nötigen Maßnahmen zur nationalen Sicherheit zu ergreifen", hieß es darin. Die Entscheidung für die Luftschläge sei auf einer Sicherheitskonferenz am Donnerstag getroffen worden.

Was steckt hinter dieser plötzlichen Wende? Bislang hatte die Türkei den Vormarsch der Terrormiliz im Nachbarland geduldet. Sowohl im In- als auch im Ausland wurde Ankara eine zu passive Haltung vorgeworfen. Doch nun, da die Kämpfer immer näher an die Grenze rücken, gerät das Land zunehmend unter Zugzwang. Zu Wochenbeginn hatte ein verheerender Bombenanschlag mit 32 Toten die Türkei erschüttert. Die Regierung in Ankara sprach von Hinweisen auf einen IS-Täter. Drei Tage später wurden bei Gefechten im türkisch-syrischen Grenzgebiet zudem ein türkischer Soldat und mindestens ein IS-Kämpfer getötet.

Ankara erlaubt USA Angriffe von Basen in der Türkei zu fliegen

Nach langem Zögern erlaubt die Türkei dem Nato-Partner USA nun, den strategisch wichtigen Stützpunkt Incirlik für Luftangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu nutzen. Dies erfuhr die dpa von einem Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Die Zeitung 'New York Times' berichtete, Präsident Barack Obama habe sich mit dem türkischen Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan auf die Nutzung Incirliks verständigt. Von türkischer Seite gab es noch keine offizielle Stellungnahme. Bislang hatte die Türkei die Nutzung für Luftangriffe gegen die Dschihadisten verweigert.

Die türkische Regierung bestätigte das noch nicht. Die Dschihadisten kontrollieren große Gebiete im Norden Syriens und des Iraks. Die Grenze zwischen der Türkei und Syrien ist Hunderte Kilometer lang.