Türkei auf dem Weg zur Diktatur? Demonstranten verteidigen die Demokratie und trotzen Erdogan

08. November 2016 - 12:37 Uhr

Mutige Demonstranten gehen für Meinungsfreiheit auf die Straße

Die Razzien gegen Abgeordnete der pro-kurdischen HDP zeigen, dass Erdogans Regierung weiter hart gegen oppositionelle Kräfte vorgeht. Das hält aber viele Türken dennoch nicht ab, ihre Sorgen und Ängste zu den politischen Unruhen im Land auf offener Straße zu äußern.

„Unsere Demokratie müssen wir doch verteidigen“

Demonstrationen gegen Erdogans hartes Durchgreifen fallen in Istanbul inzwischen deutlich kleiner aus als noch vor einiger Zeit. Seit dem Putsch gegen ihn hat der türkische Staatspräsident die Bürgerrechte massiv beschnitten. Oppositionelle Kräfte werden mit fadenscheinigen Begründungen festgenommen und Protestveranstaltungen gegen den Kurs der Regierung werden oft aufgelöst.

Genau dagegen wehren sich kleine Demonstrationsgruppen. Sie sorgen sich um ihre Bürgerrechte. "Unsere Demokratie müssen wir doch verteidigen", sagt eine Demonstrantin in Istanbul. Sie hat den Mut, auszusprechen, was viele sich nicht mehr trauen. Trotzdem tut sie es nicht zu laut. Wer allzu kritisch seine Meinung sagt, gerät schnell ins Visier der Polizei.

So berichtet es auch der deutsche Student Huseyin Sahin aus Marburg: "Wer gegen den Staat ist, gilt leicht als Terrorist, das macht mundtot, erstickt Kritik im Keim." Unter dem Vorwurf, Terroristen zu unterstützen wurden zuletzt auch zahlreiche Journalisten der Zeitung 'Cumhuriyet' festgenommen. Vor deren Verlagsgebäude demonstriert Huseyin.

Kritik an Erdogan wird überhört

Gegen die geballte Übermacht der Erdogan-Anhänger kann eine Demo wie diese, die für mehr Meinungsfreiheit kämpft, wenig ausrichten. Millionen stärken dem Staatspräsidenten den Rücken. Sie halten ihn nicht für einen Diktator, wie ihn Kritiker nennen. Er sei allenfalls ein starker Führer, sagt ein Passant.

Die heftige Kritik im In- und Ausland verhallt inzwischen meist ungehört. Erdogan ist es egal, dass ihn viele für einen Diktator halten. Das einzige, was für ihn zählt, ist die Meinung seiner Anhänger.