Tübingens Oberbürgermeister: "So schlecht wie nie zuvor"

Boris Palmer ätzt gegen die Deutsche Bahn

Boris Palmer
Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Silas Stein/Archiv
deutsche presse agentur

Boris Palmer hält die Zustände für inakzeptabel

Tübingens Oberbürgermeister beschwert sich per Brief bei der Deutschen Bahn. Boris Palmer (Grüne) beklagt, dass sich Verspätungen häufen, insbesondere auf der Strecke von Tübingen nach Stuttgart. Es fielen zu viele Züge aus. Die Bahn begründe das mit Personalmangel. Palmer wirft dem Unternehmen dagegen gravierende Fehlentscheidungen im Management vor.

Oberbürgermeister schreibt Brief an den Bahnchef

"Ausgerechnet in einer Zeit, in der wir alle erkennen, dass wir die Bahn für Klimaschutz im Verkehr brauchen und zunehmend mehr Menschen bereit sind, sie zu nutzen, ist die Qualität des Bahnverkehrs auf den Tübinger Strecken so schlecht wie nie zuvor", heißt es in dem Brief. Boris Palmer wählt drastische Worte in dem Schreiben, das er direkt an Bahnchef Richard Lutz adressiert hat. Bei der Bahn ist das Schreiben aber noch nicht angekommen, weshalb das Unternehmen sich noch nicht zu den Vorwürfen äußert.

Rundumschlag gegen die Bahn

Die Kritik des Tübinger Oberbürgermeisters spricht wohl vielen Bahnfahrern aus der Seele. Palmer beklagt sich neben Zugausfällen und Verspätungen auch über schlechten Service. "Dass die Bahn insgesamt heruntergewirtschaftet wurde und die Pünktlichkeit in ganz Deutschland miserabel ist, kann man als Fahrgast überall in Deutschland erfahren", schreibt Palmer. Er fordert die Bahn auf, diese "inakzeptablen Zustände" so bald wie möglich zu beenden.

Bahn kann ihr Pünktlichkeitsversprechen nicht halten

 Ein ICE der Deutschen Bahn
Ein ICE der Deutschen Bahn
www.imago-images.de, imago images/Future Image, Christoph Hardt, via www.imago-images.de

Erst vor wenigen Tagen musste die Bahn einräumen, dass auch dieses Jahr das Pünktlichkeitsziel nicht erreicht werde. Im letzten Jahr waren 74,9 Prozent der Fernzüge pünktlich, für dieses Jahr hatte sich die Bahn 76,5 Prozent vorgenommen. Laut Definition der Bahn ist ein Zug pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten zu spät ist.

Mit einem großen Einstellungsprogramm will die Bahn den Personalmangel, der immer wieder zu Zugausfällen führt, bekämpfen. Insgesamt habe der Konzern im laufenden Jahr mehr als 24.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Aber besonders Lokführer sind schwer zu finden, die Bahn wirbt mittlerweile sogar im Ausland um Fachkräfte.