Tuberkulose auf dem Vormarsch: WHO warnt vor der tödlichen Infektionskrankheit

Im letzten Jahr haben sich weltweit zehn Millionen Menschen mit Tuberkulose angesteckt.
Im letzten Jahr haben sich weltweit zehn Millionen Menschen mit Tuberkulose angesteckt.
© DPA

19. September 2018 - 10:42 Uhr

TBC ist extrem gefährlich

In Deutschland und anderen europäischen Ländern scheint Tuberkulose eher wie ein Schrecken aus vergangenen Zeiten. In vielen Teilen Afrikas und Asiens ist TBC (auch als Schwindsucht bekannt) immer noch eine reale Bedrohung. An keiner anderen Infektion sterben mehr Menschen, erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO. Damit ist Tuberkulose sogar gefährlicher als Aids.

1,6 Millionen Menschen starben 2017 an Tuberkulose

Das müsste eigentlich nicht sein, denn Tuberkulose ist sogar heilbar, wenn der Patient Antibiotika gegen die Bakterien bekommt. Ohne Behandlung kann die Krankheit aber tödlich enden. 2017 starben weltweit 1,6 Millionen Menschen an TBC. Aids forderte im gleichen Zeitraum rund 940.000 Todesopfer. Die WHO schätzt in ihrem neusten Bericht, dass 2017 zehn Millionen Menschen neu an TBC erkrankten.

Tuberkulose, die auch als "Armutskrankheit" bezeichnet wird, kommt vor allem in strukturschwachen Regionen Afrikas, Osteuropas und Zentralasiens vor. Zwei Drittel der Neuinfektionen wurden 2017 in Indien, Indonesien, China, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Südafrika und auf den Philippinen registriert. In Europa sowie Nord- und Südamerika wurden nur sechs Prozent aller Fälle gemeldet.

Tuberkulose wird über Tröpfchen in der Atemluft übertragen, meistens leidet zuerst die Lunge - infizierte Patienten bekommen starken Husten, Fieber und werden immer schwächer. Die Krankheitserreger können sich auch auf die Knochen sowie den Verdauungstrakt ausbreiten.

Rund ein Viertel der Weltbevölkerung trägt TBC-Bakterien in sich

Experten gehen davon aus, dass rund ein Viertel der Weltbevölkerung mit den Bakterien, die die Krankheit auslösen können, infiziert ist. Aber nur ein kleiner Anteil der Infizierten erkrankt auch tatsächlich an TBC - die typischen Symptome treten nur bei zehn Prozent der Kranken auf.

Besonders gefährdet sind diejenigen, die ohnehin schon geschwächt sind, zum Beispiel HIV-Infizierte. Weil ihr Immunsystem angeschlagen ist, haben sie ein bis zu 50-fach erhöhtes Risiko, sich die gefährliche Infektionskrankheit auch noch einzufangen. Eine Tuberkulose-Infektion kann wiederum den Ausbruch von Aids beschleunigen. Beide Krankheiten verstärken sich also gegenseitig – ein tödliches Duo.

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Kann Tuberkulose bis 2030 weltweit ausgerottet werden?

Bis 2030 soll TBC weltweit ausgerottet werden – darauf hatten sich die Gesundheitsminister von 70 Ländern bei einem Treffen in Moskau im November 2017 geeinigt. In den meisten Ländern sei das aber eher ein "Ziel als Wirklichkeit", heißt es in dem WHO-Bericht. Um das Ziel zu erreichen müsste mehr getan werden, meint die Weltgesundheitsorganisation.