Der ganz besondere "Kick": Katastrophen-Touristen im Sperrgebiet

Touristen-Boom rund um Tschernobyl: Weißrussland verstärkt die Grenzkontrollen

Der Unglücks-Reaktor von Tschernobyl liegt nur wenige Kilometer von der weißrussischen Grenze entfernt auf ukrainischem Territorium.
© deutsche presse agentur

20. November 2019 - 9:52 Uhr

Explodiertes Atomkraftwerk: Touristen-Magnet Tschernobyl

Immer mehr Touristen fühlen sich von der unsichtbaren Bedrohung rund um das 1986 explodierte Atomkraftwerk in Tschernobyl, Ukraine, angezogen. In diesem Jahr haben bis zum November bereits 107.000 Menschen die Sperrzone besucht, darunter fast 8000 Deutsche. Dem Nachbarland Weißrussland ist das mittlerweile ein Dorn im Auge, der dortige Grenzschutz wird nun deutlich verstärkt.

Hype um Tschernobyl: Drohnen und Überwachungskameras sollen helfen

"Der Grenzraum ist stark radioaktiv verseucht. Die Menschen sollten nicht dorthin gehen", sagte der Chef des weißrussischen Grenzschutzes, Anatoli Lappo gegenüber der nationalen Staatsagentur Belta. Der verunglückte Atomreaktor Tschernobyl liegt zwar auf ukrainischem Territorium, allerdings nur rund zehn Kilometer von der weißrussischen Grenze entfernt.

Das unerlaubte Übertreten der Staatsgrenze von Weißrussland ist strafbar. Die Kontrollen seien nun wichtiger denn je, weil immer mehr Besucher in die Sperrzone wollen. Gesetzesbrecher, die über die weißrussische Grenze illegal in die Ukraine reisen, hätten dabei auch keine Angst vor der Strahlung. Um die Situation in den Griff zu bekommen, werden bereits Drohnen eingesetzt, die entlang der Grenze fliegen. Bald sollen auch Überwachungskameras angebracht werden.

Erst im April lud Weißrussland Touristen ein

Tschernobyl (5)
Ein verlassenes Krankenhaus in Tschernobyl - orte wie diese sind beliebte Fotomotive bei Touristen.

Die bei dem Reaktorunfall entfachte radioaktive Wolke hat auch große Teile Weißrusslands radioaktiv verseucht und dazu geführt, dass es heute viele verlassene Dörfer im Grenzgebiet gibt. Komischerweise wurde allerdings genau damit noch in diesem Jahr geworben. Wie "n-tv" im April dieses Jahres berichtete, wollte Weißrussland mit Führungen und sogar touristischen Routen Besucher in das Grenzgebiet locken. Dort gibt es zwar keine Geisterstädte, aber dafür besagte Dörfer. Ein Staatsvertreter sagte damals, dass die Strahlendosis, der Touristen ausgesetzt würden, zu vernachlässigen sei. 

Warum die Touristen für Weißrussland jetzt plötzlich ein Problem darstellen, ist unklar. Im ukrainischen Teil der Sperrzone werden ähnliche Ausflüge schon seit Jahren angeboten – mit Erfolg.

Explodiertes Atomkraftwerk in Tschernobyl: Grüße aus der Sperrzone

Richtige "Hotspots" für die Besucher der verbotenen Zone sind vor allem die verlassenen Gebäude und Freizeitanlagen rund um Tschernobyl und die Nachbarstadt Prypjat. Egal ob das überwucherte Riesenrad, ein verlassenes Schwimmbad oder ein leerer Schlafsaal – auf Instagram gibt es haufenweise Fotos aus diesen einst "verlassenen" Orten.