Empörung über Interview

Tschechiens Präsident Zeman: „Diese Transgender-Leute sind mir wirklich von tiefster Seele zuwider“

Der tschechische Präsident Milos Zeman greift Transgender an.
Der tschechische Präsident Milos Zeman greift Transgender an.
© REUTERS, LEONHARD FOEGER, /FW1F/Frances Kerry

28. Juni 2021 - 12:12 Uhr

LGBT-Gemeinde beschuldigen Zeman, Hass zu verbreiten

"Diese Transgender-Leute sind mir wirklich von tiefster Seele zuwider": Der tschechische Präsident Milos Zeman hat mit Äußerungen über Transgender-Menschen Empörung ausgelöst. Zeman kritisierte geschlechtsangleichende Operationen und ein für Anfang August geplantes LGBT-Festival in Prag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN Prima News scharf.

Vertreter der LGBT-Gemeinde - die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender - beschuldigten Zeman, Hass zu verbreiten. Äußerungen wie diese würden sich negativ auf die psychische Gesundheit von LGBT-Personen auswirken.

Anfang Oktober sind Wahlen in Tschechien

Wer eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen lasse, begehe "die Straftat der Selbstverstümmelung", sagte Zeman in dem Interview. "Jeder medizinische Eingriff ist ein Risiko - und diese Transgender-Leute sind mir wirklich von tiefster Seele zuwider", so der 76-Jährige. Transgender bedeutet, dass das eigene Geschlecht nicht mit den körperlichen Merkmalen übereinstimmt.

In Tschechien findet Anfang Oktober eine Parlamentswahl statt. Zeman kündigte an, persönlich die populistische ANO (tschechisch für "Ja") von Ministerpräsident Andrej Babis wählen zu wollen. Aktuelle Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der liberalen Piratenpartei voraus, die sich unter anderen für die freie Wahl der Geschlechtsidentität einsetzt.

Über das LGBT-Festival "Prague Pride", das in diesem Jahr vom 2. bis 8. August stattfindet, sagte Zeman: "Wenn ich etwas jünger wäre, würde ich eine riesige Demonstration von Heterosexuellen in Prag organisieren, (...) um allen zu zeigen, wie sinnlos das ist."

Zeman zeigte zudem Verständnis für das ungarische Homosexuellen-Gesetz, das von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als "Schande" bezeichnet wurde.