Schwangere Frau und Kinder sind in Prag

Tschechien macht Grenze zu Sachsen dicht - Pendler-Arzt in der Zwickmühle

25. März 2020 - 18:31 Uhr

Rückkehrer müssen 14 Tage in Quarantäne

Am Donnerstag macht Tschechien wegen der Corona-Pandemie die Grenze zu Sachsen dicht. Wer danach aus Deutschland einreist, muss für 14 Tage in Quarantäne. Viele der rund 10.000 Berufspendler sitzen jetzt in Zwickmühle. Arbeiten oder nach Hause zu der Familie? Auch Dr. Stepan Vanc geht es so. Der 32-jährige Tscheche ist Assistenzarzt für Innere Medizin in der Asklepios Sächsische Schweiz Klinik im Grenzort Sebnitz. Er hat eine Wohnung in Deutschland, seine Frau wohnt aber mit den zwei Kindern in Prag.

"Es gibt keinen Plan"

Wie gehen die nächsten Tage für ihn weiter? "Es gibt keinen Plan", sagt er im RTL-Interview nach Schichtende am Mittwoch. Vanc pendelt nicht jeden Tag, sondern so, wie es die Dienste zulassen. "Was ich am schwierigsten empfinde, ist die Unsicherheit, weil sich die Regelungen fast jeden Tag ändern." Der Arzt will jetzt zurück zu seiner Frau und den Kindern. "Wenn ich hier bleibe, besteht die Gefahr, dass ich eingesperrt bleibe und meine Familie nicht sehe."

Seine Verantwortung als Mediziner hat er dennoch nicht vergessen. "Für uns ist das sehr schwierig, ich bin vertraglich gebunden und muss Patienten versorgen. Und meine Familie braucht Unterstützung in Prag", sagt Vanc. Seine Frau erwartet gerade das dritte Kind. "Ich kann mir vorstellen, dass ich einmal hierbleiben würde, wenn meine Kinder nicht erkranken und meine schwangere Frau keinen Notfall hat", sagt er. Doch sicher ist das für ihn noch nicht. Seine Hoffnung: Ein Abkommen zwischen dem sächsischen Gesundheitsministerium und der tschechischen Regierung.

"Tickende Corona-Zeitbomben"

Nach Angaben von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) waren alle Bemühungen um andere Lösungen in Gesprächen mit der tschechischen Regierung am vergangenen Wochenende vergebens. Seinen Angaben zufolge werden die Pendler dort im Internet als "tickende Zeitbomben" angesehen, die Covid-19 eingeschleppt haben.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) weist auf Facebook darauf hin, dass tschechische Arbeiter in deutschen Hotels untergebracht werden können. Für den touristischen Bedarf seien diese zwar gesperrt, dürften aber für Grenzgänger unterbringen. Wer das Angebot in Anspruch nimmt, bekommt obendrein 40 Euro pro Übernachtung erstattet. Auch Angehörige oder Lebenspartner könnten für die nächsten Wochen mit nach Deutschland kommen. Sie sollen 20 Euro pro Tag und Person erhalten. Das Angebot ist auf drei Monate befristet und kann verlängert werden.