„Ich werde weiterhin direkt an Eurer Seite kämpfen“

Trumps Rückkehr ins Rampenlicht: Will er 2024 wieder kandidieren?

01. März 2021 - 20:04 Uhr

Erster öffentlicher Auftritt

Trumps erster öffentlicher Auftritt als Ex-Präsident ähnelt seinen Wahlkampfveranstaltungen. Donald Trump wird umjubelt, er teilt gegen seine Gegner aus - und kündigt für 2024 eine Rückeroberung des Weißen Hauses durch seine Republikaner an. Mit ihm als Kandidaten?

Mit einer kämpferischen Rede meldet er sich auf der politischen Bühne zurück und lässt die Kandidatur bei der Wahl 2024 offen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Machtwechsel im Weißen Haus schwor der 74-Jährige die republikanische Partei am Sonntagabend in Orlando (Florida) auf seinen Kurs ein. "Ich werde weiterhin direkt an Eurer Seite kämpfen", betonte er bei der Konferenz CPAC, einer Veranstaltung konservativer Aktivisten. Die Gründung einer eigenen Partei schloss Trump aus. "Wir haben die republikanische Partei", sagte er. "Wir werden vereint und stark wie nie zuvor sein."

Trump sieht sich weiter als Wahlsieger

Trump machte deutlich, dass er den klaren Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Wahl im November weiterhin nicht anerkennt. "Diese Wahl wurde manipuliert. Und der Supreme Court und andere Gerichte wollten nichts dagegen tun", sagte Trump. Sein Lager war mit Dutzenden Klagen gegen das Ergebnis gescheitert. Trump stellte sich erneut als rechtmäßigen Sieger dar, was nicht der Wahrheit entspricht. "Eigentlich haben sie gerade das Weiße Haus verloren, wie Ihr wisst", sagte er über die Demokraten. Unter tosendem Applaus fügte er hinzu: "Ich könnte sogar beschließen, sie ein drittes Mal zu schlagen."

VIDEO: USA-Korrespondent Peter Kleim zur Trump-Rede

Trump kokettiert mit erneuter Kandidatur

Auch im weiteren Verlauf seiner 90-minütigen Rede kokettierte der Ex-Präsident mit einer möglichen erneuten Kandidatur. Er kündigte an, die Republikaner würden bei den kommenden Wahlen das Repräsentantenhaus und den Senat von den Demokraten zurückerobern, "und dann wird ein republikanischer Präsident eine triumphale Rückkehr ins Weiße Haus schaffen. Ich frage mich, wer das sein wird. Ich frage mich, wer das sein wird", sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger, die unter anderem "Wir lieben Dich" skandierten. In Trumps einziger Amtszeit haben die Republikaner die Mehrheit in beiden Kongresskammern eingebüßt und das Weiße Haus verloren.

Trumps Lügen

Auch unabhängig von der Lüge über seinen vermeintlichen Wahlsieg sparte Trump am Sonntag nicht mit Unwahrheiten. So unterstellte er beispielsweise seinem Nachfolger Biden, einseitig die von seiner Regierung verhängten Iran-Sanktionen aufgehoben zu haben - das hat Biden ausdrücklich nicht getan. Der CNN-Reporter Daniel Dale, der sich einen Ruf als akribischer Trump-Faktenchecker erarbeitet hat, schrieb auf Twitter: "Trump stellt viel mehr falsche Behauptungen in dieser einen Rede auf als Biden in seinen ersten fünf Wochen insgesamt."

TVNOW-Doku Tipp: "Donald Trump - Die gestohlene Wahl"

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Generell übte Trump scharfe Kritik an der Politik seines Nachfolgers, was für einen frisch aus dem Amt geschiedenen Ex-Präsidenten ungewöhnlich ist. Er bescheinigte Biden "den katastrophalsten ersten Monat eines Präsidenten in der modernen Geschichte". Trump warf Biden erneut vor, die USA zu "einem sozialistischen Land2 machen zu wollen, und warnte vor "linker Tyrannei". Trump sagte: "Wir befinden uns mitten in einem historischen Kampf um Amerikas Zukunft. Unsere Identität als Amerikaner steht auf dem Spiel."

Richtungsstreit entzweit Republikaner

Seit der Abwahl Trumps entzweit ein Richtungsstreit die Republikaner, den Trump aktiv befeuert hat. Eskaliert war der innerparteiliche Konflikt, nachdem Trump-Anhänger am 6. Januar das Kapitol gestürmt hatten. Trump musste sich wegen "Anstiftung zum Aufruhr" einem zweiten Amtsenthebungsverfahren stellen, bei dem sich auch mehrere Republikaner im Kongress gegen ihn wandten. Zwar stimmte eine Mehrheit von 57 Senatoren vor gut zwei Wochen für eine Verurteilung Trumps. Die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit im Senat von 67 Stimmen wurde aber verfehlt.