Zoff beim Nato-Gipfel in London

Trump zu Macron: "Möchten Sie ein paar nette IS-Kämpfer?"

04. Dezember 2019 - 18:01 Uhr

Trump kritisiert Macron beim Nato-Gipfel in London

Da ist Donald Trump beim Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wohl der Kragen geplatzt. Der US-Präsident kritisiert europäische Regierungen immer wieder dafür, dass sie in Syrien gefangen genommene IS-Kämpfer aus ihren Staaten nicht zurücknehmen. Das tat er auch am Dienstag am Rande des Nato-Gipfels in London - und das auf eine ziemlich ungewöhnliche Art. 

"Sie können jeden nehmen, den sie wollen"

France's President Emmanuel Macron gestures during the meeting with U.S. President Donald Trump, ahead of the NATO summit in Watford, in London, Britain, December 3, 2019. Ludovic Marin/Pool via REUTERS
US-Präsident Donald Trump ist in London in bester Angriffslaune.
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"Möchten Sie ein paar nette IS-Kämpfer?", fragte Trump seinen Amtskollegen vor Journalisten. "Sie können jeden nehmen, den sie wollen."

Macron antwortete ausweichend auf die Frage und mahnte Ernsthaftigkeit an. Er betonte, das größte Problem seien nicht die ausländischen Kämpfer der Terrormiliz, sondern dass der IS noch nicht besiegt sei. Trump veranlasste das zu dieser Reaktion: "Deswegen ist er ein so großartiger Politiker. Das war eine der großartigsten Nicht-Antworten, die ich jemals gehört habe."

Trump droht mit Konsequenzen

U.S. President Donald Trump reacts during the meeting with France's President Emmanuel Macron, ahead of the NATO summit in Watford, in London, Britain, December 3, 2019. Ludovic Marin/Pool via REUTERS
In der Vergangenheit hatte Trump die Nato als "obsolet" bezeichnet und mit einem Rückzug der USA gedroht.
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Trump fordert Länder wie Frankreich und Deutschland regelmäßig dazu auf, ihre Staatsbürger, die sich dem IS anschlossen und in Syrien in Gefangenschaft gerieten, wieder zurückzunehmen. Im September hatte er Herkunftsländern ausländischer IS-Kämpfer mit Konsequenzen gedroht, sollten sie ihre in Syrien gefangen genommenen Staatsbürger nicht zurückzunehmen. "Irgendwann werde ich sagen müssen, es tut mir leid, aber entweder nehmt Ihr sie zurück oder wir werden sie an Euren Grenzen freilassen", sagte Trump damals.

Trump macht Krawall und stichelte gegen Macron

. 03/12/2019. London, United Kingdom. French President Emmanuel Macron arriving for a meeting at No10 Downing Street in London, on the first day of the NATO Summit. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY xStephenxLockx/xi-Imagesx IIM-20506-0016
Für den rauen Ton zwischen den USA und Frankreich ist nicht nur Macrons umstrittene Aussage verantwortlich.
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In der Vergangenheit hatte Trump die Nato als "obsolet" bezeichnet und mit einem Rückzug der USA gedroht. Jetzt präsentierte er sich als Fan des Bündnisses, um Seitenhiebe gegen Macron auszuteilen: "Wir haben einen unglaublichen Geist, was die Nato betrifft, vielleicht mit Ausnahme von einem Land". Trump meint Frankreich und seinen Amtskollegen Emmanuel Macron, der der Nato kürzlich den "Hirntod" bescheinigt hatte. "Beleidigend", "respektlos", sogar "gefährlich" sei das gewesen, so Trump.

Für den rauen Ton zwischen den USA und Frankreich ist nicht nur Macrons umstrittene Aussage verantwortlich. Die US-Regierung setzte kurz vor dem ersten Gipfeltag in London ein Verfahren zur Einführung neuer Strafzölle auf französische Produkte in Gang. Der Grund: Frankreich hat eine Digitalsteuer beschlossen, die Washington für "diskriminierend" hält.