21. März 2017 - 16:49 Uhr

"Er behandelt sie wie ein dummes Mädchen"

Der erste Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei Donald Trump wird noch immer rege diskutiert. Vor allem die Szene als Trump auf die Frage der Journalisten - und schließlich auch auf die von Merkel - nach einem Handschlag nicht reagiert. Wollte er Merkel bewusst bloßstellen? Zeigen, wer der Boss ist? War er einfach nur unhöflich? Alles Quatsch, tönt es jetzt aus dem Weißen Haus: Der Präsident habe es schlichtweg nicht gehört.

"Das war so peinlich, ich bin gestorben, als ich es gesehen habe"

Angela Merkel und Donald Trump im Oval Office
Merkel bietet Trump im Oval Office einen Handschlag an, doch der ignoriert das völlig.
© REUTERS, JONATHAN ERNST, JE /TC

"Ich glaube nicht, dass er die Frage gehört hat", sagte Trumps Sprecher Sean Spicer dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel'. Ist das der Versuch einer Schadesbegrenzung? Denn nicht nur in Deutschland, auch im eigenen Land hagelte Kritik für Trumps Verhalten. "Das war so peinlich, ich bin gestorben, als ich es gesehen habe", twitterte eine US-Journalistin.

Auf Twitter gab es rasch verschiedene Interpretation der Begegnung, bei der sich keiner so richtig wohl zu fühlen schien. So betitelte Harry Potter-Autorin J.K. Rowling ein Foto der Spitzenpolitiker, in dem Trump betreten zu Boden zu blicken scheint: "Mutti war gemein zu mir, und ich mag ihre Hand nicht mehr halten". Andere User lieferten gar den Dialog zum Bild. Merkel zu Trump: "Hast du dein Zimmer aufgeräumt? Guck mich an, wenn ich mit dir rede".

Gleich Mehrere Szenen der Begegnung von Merkel und Trump haben nicht nur zu Hohn und Spott im Netz geführt, viele Deutsche sind ziemlich irritiert, wie der US-Präsident mit der Kanzlerin umgegangen ist. Egal wen man fragt, fast jeder hat eine Meinung zu dem Thema. Dass Trump Merkel einen Handschlag für die Fotografen verweigert hat, finden viele unmöglich. "Da behandelt er sie wie ein kleines dummes Mädchen. Er präsentiert hier seine Stärke und Frau Merkel hat hier gar nichts mehr zu melden", meint eine Passantin.

Trump hat angeblich Angst vor Bakterien

Donald Trump und Angela Merkel
Donald Trump begleitet Angela Merkel nach der Pressekonferenz, seine freundschaftliche Geste wirkt eher unbeholfen.
© imago/ZUMA Press, imago stock&people

Aus Washington hieß es entschuldigend schon vorab, Trump habe Angst vor Bakterien. Angesichts der Tatsache, dass der Präsident der Kanzlerin bei der Begrüßung zuvor die Hand reichte, scheint das nur wenig überzeugend. Dem japanischen Premierminister Shinzo Abe schüttelte Trump ganze 19 Sekunden die Hand und die Hand der englischen Premierministerin Theresa May schien er gar nicht mehr loslassen zu wollen.

Bei Merkels Besuch dagegen spricht die Körpersprache des Präsidenten Bände. "Der schaut ihr nicht mal in die Augen – sehr respektlos der Angela Merkel gegenüber", meint ein weiterer Passant. Nach der gemeinsamen Pressekonferenz versucht Trump es dann mit einer freundschaftlichen Geste. Als er sie aus dem Raum begleitete, legte er Merkel die Hand auf den Rücken, was eher wie ein unbeholfenes Schieben wirkt.

"Da haben wir vielleicht zumindest eine Sache gemeinsam"

Angela Merkel sitzt neben Ivanka Trump
Warum Ivanka Trump bei dem Staatsbesuch anwesend war, ist unklar. Sie hat gar kein offizielles Amt in Washington.
© dpa, Michael Kappeler, pg

Als Journalisten das unangenehme Thema Abhörung ansprachen, will Trump offenbar die Stimmung lockern: "Da haben wir vielleicht zumindest eine Sache gemeinsam", witzelte er. In dem Moment entglitten sogar der Kanzlerin die Gesichtszüge. Sie fand diese Anspielung offenbar gar nicht komisch. Trump sorgt derzeit in den USA mit seinen Behauptungen für Wirbel, sein Amtsvorgänger Barack Obama habe ihn abgehört. Merkel wurde tatsächlich ausspioniert. Die NSA hatte ihr Handy abgehört.

Zum Schluss wurde Merkel auch noch neben die Tochter des Präsidenten gesetzt. Was Ivanka bei dem Staatsbesuch verloren hatte, wusste niemand so genau, denn ein offizielles Amt bekleidet sie nicht. Offenbar sei "Bring-deine-Tochter-zur Arbeit-Tag" spotteten einige Internetnutzer. Eigentlich wäre es die Aufgabe des Präsidenten gewesen, bei den Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern und Regierungsmitgliedern neben der Kanzlerin zu sitzen.

Nach Merkels Abreise legt Trump nach

Am Tag nach dem Treffen legt Trump dann gleich nach: "Deutschland schuldet der Nato riesige Summen, und die Vereinigten Staaten müssen besser für ihre mächtige und kostspielige Verteidigung bezahlt werden, die sie Deutschland bieten", twitterte Trump, obwohl Merkel ihm erst am Tag zuvor zugesichert hatte, dass Deutschland sich mehr an den Kosten beteiligen werde.

"Man kann's auch so sagen: der erste Versuch von Frau Merkel zu Herrn Trump zu kommen, wurde von einem Schneesturm verhindert – das schlechte Wetter über dem Atlantik bleibt", sagte Jürgen Trittin von den Grünen nach dem Treffen.