Amy Coney Barrett (48) nominiert

Siebenfache Mutter soll wichtigsten Richterjob der Welt bekommen

Barrett ist mit einem früheren Staatsanwalt verheiratet und hat sieben Kinder, zwei davon adoptiert aus Haiti.
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28. September 2020 - 9:36 Uhr

Streng gläubige Katholikin für Supreme Court nominiert

Die verstorbene US-Richterin Ruth Bader Ginsburg war eine Ikone der Liberalen, für ihren Platz am Supreme Court wurde nun eine streng gläubige Katholikin nominiert. Amy Coney Barrett betonte stets, dass ihr Glaube keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen vor Gericht habe. Doch wer ist diese Frau?

Amy Coney Barrett ist siebenfache Mutter

Amy Coney Barretts Familie
Ihre sieben Kinder und ihr Mann Jesse verfolgen die Ernennung von Amy Coney Barrett zur Richterin am Supreme Court.
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Barrett ist mit einem früheren Staatsanwalt verheiratet und hat sieben Kinder, zwei davon adoptiert aus Haiti. Sie gehört der katholischen Glaubensgruppe "People of Praise" an, die in den 70er Jahren von Notre-Dame-Absolventen gegründet wurde. Einige frühere Mitglieder behaupteten, zur Ideologie von "People of Praise" gehöre eine untergeordnete Rolle von Frauen, die Gruppe wies das zurück.

Juristische Karriere sei ein Mittel zum Zweck

Barrett wuchs in einem Vorort von New Orleans auf, Recht studierte sie unter anderem an der katholischen Privatuniversität Notre Dame. Bis zum Posten am Berufungsgericht war sie dort Rechtsprofessorin. Schon 1998 fiel Barrett als Ko-Autorin eines Artikels auf, der argumentierte, dass Katholiken unter den Richtern sich von Fällen zurückziehen sollten, bei denen sie einen Widerspruch zu ihrem Glauben sähen - wie etwa Entscheidungen zur Todesstrafe. Sie glaube weiterhin daran, sagte Barrett bei der Senatsanhörung 2017.

Judge Amy Coney Barrett speaks after President Donald Trump announced her as his nominee to the Supreme Court, in the Rose Garden at the White House, Saturday, Sept. 26, 2020, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)
Barrett wuchs in einem Vorort von New Orleans auf, Recht studierte sie unter anderem an der katholischen Privatuniversität Notre Dame.
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Oft aufgegriffen wurde auch eine Ansprache aus dem Jahr 2006, in der Barrett Notre-Dame-Absolventen auf den Weg gab, deren juristische Karriere sei ein Mittel zum Zweck - "dieser Zweck ist, das Königreich Gottes aufzubauen". Sie müssten zwar denselben ethischen Standards wie andere folgen. "Aber wenn Sie in Erinnerung behalten können, dass Ihr grundlegendes Ziel im Leben nicht ist, Jurist zu sein, sondern Gott zu lieben, zu kennen und zu dienen, werden Sie wahrhaft eine andere Art Jurist sein", sagte sie.

Konsequent konservative Juristin im Obersten Gericht der USA

Mit Amy Coney Barrett soll eine konsequent konservative Juristin ins Oberste Gericht der USA einziehen. Und eine, die sich bereit gezeigt hat, mit bisherigen Auslegungen der US-Verfassung zu brechen. Diese Position könnte große Bedeutung erlangen, sollten bei einem künftigen Supreme Court mit klarer konservativer Mehrheit erneut Verfahren zum Beispiel zur Rechtmäßigkeit von Abtreibungen oder gleichgeschlechtlicher Ehen landen. Beides gilt als durchaus wahrscheinlich.

Die Einstellung, die Liberale alarmiert, formulierte Barrett in einem Artikel im Jahr 2013: "Ich neige dazu, denen zuzustimmen, die sagen, dass eine Richterin der Verfassung verpflichtet ist - und dass es für sie legitimer ist, ihr Verständnis der Verfassung durchzusetzen, statt eine Präzedenzfall-Entscheidung, die ihr aus ihrer Sicht widerspricht." Zugleich müssten aber auch Argumente für einen Erhalt der Präzedenz-Entscheidung berücksichtigt werden, schränkte sie ein.

Könnte der Glaube ihre Entscheidung beeinflussen?

Barrett tritt seit Jahrzehnten als überzeugte Katholikin in Erscheinung. Deswegen ging es schon 2017 bei der Anhörung für ihren aktuellen Richterposten an einem Berufungsgericht mehr als einmal um die Frage, ob der Glaube ihre Entscheidungen beeinflussen könnte.

"Ich sehe keinen Widerspruch zwischen einem aufrichtigen Glauben und meinen Pflichten als Richterin", sagte Barrett damals. Sie werde sich immer nur von dem Gesetz leiten lassen. Und: "Ich würde meine persönlichen Überzeugungen nie dem Gesetz aufzwingen." Ein Richter dürfe nie aus dem Wunsch heraus entscheiden, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

US-Präsident Trump hat die konservative Juristin Barrett als Nachfolge der Richterin Ginsburg am Supreme Court nominiert.
US-Präsident Trump hat die konservative Juristin Barrett als Nachfolge der Richterin Ginsburg am Supreme Court nominiert.
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Einige Senatoren - sowohl Demokraten als auch Republikaner - gaben damals zu bedenken, dass die eigenen Erlebnisse und Ansichten unweigerlich auch juristische Entscheidungen beeinflussten. Insbesondere die demokratische Senatorin Diane Feinstein bezeichnete Barrett als "kontrovers": "Das Dogma lebt lautstark in Ihnen - und das macht besorgt, wenn Sie an große Themen herantreten sollten, für die viele Menschen in diesem Land jahrelang gekämpft haben."

Zu diesen Themen gehören das Recht auf Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Ehen. Das Oberste Gericht entschied jeweils 1973 und 2015, dass sie von der US-Verfassung gewährleistet werden. Den Erzkonservativen in Amerika sind sie ein Dorn im Auge.