Trump macht Drohung wahr: US-Raketenangriff auf syrischen Flugplatz

11. April 2017 - 16:13 Uhr

Nach syrischen Regierungsangaben sind mindestens fünf Menschen getötet worden

In Syrien droht die Lage zu eskalieren. Wenige Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff hat US-Präsident Trump Raketen auf einen Flughafen der syrischen Armee abschießen lassen. Er ruft zu einer internationalen Koalition auf, um das "Schlachten" zu beenden. 

"Ich rufe alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen"

Nach Angaben des Pentagons wurden 59 Raketen des Typs Tomahawk abgeschossen. US-Präsident Donald Trump sagte, er habe den Luftschlag angeordnet und sprach von einem Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen. Die Raketen wurden von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

Mit dem Giftgasangriff vor wenigen Tagen, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden, habe Syrien seine internationalen Verpflichtungen und UN-Resolutionen verletzt. Von dem nun ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen ein Angriff mit Giftgas auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Chan Scheichun ausgegangen, sagte Trump am Rande eines Treffens mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Florida. Diese Attacke sei ein "barbarischer Akt" gewesen. "Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen", sagte Trump. Das Blutvergießen in Syrien müsse beendet werden. Bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff waren Aktivisten zufolge mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen. Der syrische Staatschef Baschar al-Assad hatte die Verantwortung für den Angriff zurückgewiesen. Trump hatte Assad bereits am Mittwoch gedroht und auch schon militärische Schritte angedeutet.

Nach syrischen Regierungsangaben sind bei der Attacke auf den Flugplatz mindestens fünf Menschen getötet worden. Der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barasi, sagte dem regierungsnahen Kanal 'Al-Mayadeen', es habe zudem sieben Verletzte gegeben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von vier getöteten syrischen Armeeangehörigen, darunter ein General. Barasi warf den USA vor, mit dem Angriff unterstützten sie Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat. Syriens Regierungskräfte bekämpfen östlich des Flugplatzes IS-Anhänger. Aus syrischen Militärkreisen hieß es, zwei Start- und Landebahnen seien zerstört worden. Auch Treibstofflager seien getroffen worden.

Zieht Trump Deutschland in einen Krieg?

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, die USA hätten Russland vorab über den Angriff informiert. Außenminister Rex Tillerson verwies unabhängig davon darauf, dass es vor der Operation keine Absprache oder Koordinierung mit Moskau gegeben habe. Russland verurteilte das Vorgehen kurz darauf: "Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt. In einer ersten Reaktion setzte Russland eine Vereinbarung mit dem US-Militär aus, nach der sich beide Länder über Militärflüge und Angriffe über Syrien informierten.

Die syrische Opposition lobte den US-Angriff auf den Flugplatz als "sehr wichtige Reaktion". Der UN-Sicherheitsrat hatte sich zuvor bei einer Sondersitzung in New York erneut nicht auf eine neue Syrien-Resolution verständigen können. Russland warnte die USA vor "negativen Konsequenzen" bei einem militärischen Eingreifen. "Alle Verantwortung bei einer militärischen Aktion liegt auf den Schultern von denen, die diese fragwürdige und tragische Unternehmung beginnen", sagte der stellvertretende russische UN-Botschafter Wladimir Safronkow vor Journalisten im UN-Hauptquartier in New York.