Nach Abzug von US-Truppen

Trump droht mit wirtschaftlicher Zerstörung der Türkei

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8. Oktober 2019 - 8:40 Uhr

USA ziehen sich aus Nordsyrien zurück

Mit der Abzugs-Ankündigung für US-Soldaten aus Nordsyrien hat Präsident Donald Trump eine Welle der Empörung ausgelöst. Auch aus den Reihen seiner eigenen Partei kam ungewöhnlich heftige Kritik.

Kurden in Nordsyrien auf sich allein gestellt

HANDOUT - 07.10.2019, Syrien, ---: Dieses von der Hawar News Agency (ANHA) bereitgestellte Bild zeigt US-Militärfahrzeuge, die eine Hauptstraße im Nordosten Syriens entlang fahren. Die Türkei steht laut den USA kurz davor, in Nordsyrien einzurücken.
Die USA haben mit dem Abzug aus der syrisch-türkischen Grenzregion begonnen.
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Der Angriff könnte jederzeit beginnen. Die Türkei hat ihre Vorbereitungen für eine mögliche Offensive in Nordsyrien abgeschlossen, twittert der türkische Verteidigungsminister. Panzer und Truppen sind an der Grenze zusammengezogen.

Die Amerikaner haben sich zurückgezogen. Die Kurden sind nun auf sich allein gestellt. Das stößt bei Demokraten, aber auch in Trumps eigenen Reihen bei den Republikanern teilweise auf heftige Kritik. Der US-Präsident lasse die kurdischen Verbündeten im Stich.

Bald türkischer Militäreinsatz in Nordsyrien?

Trump droht unterdessen dem türkischen Präsidenten Erdogan. Er werde die Wirtschaft der Türkei vollständig zerstören, twittert er, falls die Türkei irgendetwas unternehme, was er in seiner "großartigen und unvergleichlichen Weisheit" für tabu halte. Sollte die Türkei zu weit gehen, werde dies schwerwiegende wirtschaftliche Konsequenzen haben.

Wann die türkische Offensive beginnt, bleibt zunächst offen. Bis Dienstag ist Erdogan in Serbien und es gilt als unwahrscheinlich, dass eine Offensive beginnt, solange der Präsident außer Landes ist. Er will zudem die Entwicklungen in der Region mit US-Präsident Trump in der ersten Novemberhälfte in Washington besprechen. Möglicherweise wird die Türkei bis dahin auf den Militäreinsatz verzichten.

UN stockt Reserve an Hilfsgütern auf

Gleichzeitig wurden Sorgen über humanitäre Konsequenzen des möglichen türkischen Einmarsches wach: Der regionale Sprecher der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), David Swanson, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die UN stocke ihre Reserven an Hilfsgütern für den Fall auf, dass Menschen vertrieben würden. "Wir rufen alle Parteien dazu auf, den Schutz von Zivilisten zu garantieren und weitere Vertreibung zu verhindern."

Die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini sagte: "Weitere bewaffnete Auseinandersetzungen werden nicht nur das Leiden der Zivilbevölkerung verschlimmern und zu massiven Vertreibungen führen, sondern auch die aktuellen politischen Bemühungen gefährden." Man fordere alle Konfliktparteien zur Einstellung der Feindseligkeiten und zum Schutz von Zivilisten auf.