Corona-Infektion des US-Präsidenten

Die irrsinnige Spritztour von Trump: Der Präsident wehrt sich

Trump auf Corona-Spritztour
Trump auf Corona-Spritztour
© dpa, Tonypeltier, pat

05. Oktober 2020 - 14:36 Uhr

Die Botschaft sollte wohl sein: Schaut her, alles nicht so schlimm, mir geht es gut!

Von Dirk Emmerich

Die Reaktion und das Entsetzen über seine Spritztour im Auto passten Donald Trump so gar nicht.  Gleich am Morgen fing er an, wütend auszuteilen: "Wenn ihr eine massive Steuererhöhung wollt, die größte in der Geschichte unseres Landes (und eine, die unsere Wirtschaft und die Jobs herunterfährt), wählt die Demokraten!!!" Und schickte noch hinterher, die "korrupten Fake News Medien zu bekämpfen. Geht wählen!"

Die Demokraten und die Medien sind schuld. Dabei sollte die Botschaft doch sein: Schaut her, alles nicht so schlimm, mir geht es gut. Donald Trump wusste genau, was er tat, als er sich am Sonntag mit ein paar Sicherheitsleuten in ein gepanzertes Auto setzte, um sich um die Klinik kutschieren zu lassen und ein paar Anhängern zuzuwinken.

Kurz zuvor hatte er noch erklärt, er habe viel über Covid gelernt in den letzten Tagen. Seinen Krankheitsverlauf bezeichnete er als eine interessante Reise: "Ich habe es gelernt, indem ich wirklich zur Schule gegangen bin. Dies ist die echte Schule, dies ist nicht 'Lasst-uns-die-Bücher-lesen-Schule'". Wirklich? Gelernt?

Diese irre Spritztor ist vielmehr ein weiterer Beweis, wie Trump und sein Stab die Erkrankung herunterspielen, verschleiern und desinformieren.

Diese irre Spritztour ist vielmehr ein weiterer Beweis, wie Trump und sein Stab die Erkrankung herunterspielen, verschleiern und desinformieren. Das Entsetzen ist groß, der Schaden für Trump in den verbleibenden Wochen bis zur Wahl am 3. November noch nicht abzusehen.

Trump habe nicht nur sich, sondern auch die Insassen des Autos gefährdet. Der Arzt James P. Phillips, der selbst auch im Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda behandelt, erklärte, alle die sich mit Trump in dem Fahrzeug befanden, könnten krank werden. Das Auto des Präsidenten sei nicht nur kugelsicher, sondern auch gegen Chemieangriffe luftdicht abgeriegelt. Das erhöhe die Ansteckungsgefahr. "Die Unverantwortlichkeit ist erstaunlich", so Phillips.

Und auch das ist inzwischen wohl klar - der Positiv-Test auf Corona stammt bereits vom Mittwoch vergangener Woche. Sein Leibarzt Sean Conley hatte sich womöglich verplappert, als er am Samstag sagte, die Corona-Diagnose liege 72 Stunden zurück. Das würde bedeuten, dass Trump bereits wusste, wie hochansteckend er war, als er am Donnerstag in New Jersey Spender traf.

Am gleichen Tag berichtete er auch noch bei "Fox News", dass seine Beraterin Hope Hicks positiv getestet worden sei, verschwieg aber sein Testergebnis. Das machte er erst nach einem zweiten Positiv-Test Stunden später publik.

Wann wird Trump aus dem Krankenhaus entlassen?

Der Bundesstaat New Jersey hat inzwischen eine aufwendige Rückverfolgung der Kontakte des Präsidenten am Donnerstag eingeleitet. Es geht um 200 Personen, sie seien Teilnehmer bereits kontaktiert worden, um sie auf eine mögliche Ansteckung hinzuweisen.

Wie schwer Covid-19 Donald Trump wirklich getroffen hat, ist auch an diesem Montag weiter unklar. Leibarzt Sean Conley hat sich in Widersprüche verstrickt. Er bleibt auch vage auf die Frage, wie viele Sauerstoff-Zufuhren Trump bislang erhalten habe. "Ich bin nicht sicher, ich müsste noch einmal Rücksprache mit den Krankenschwestern halten", erklärte er am Samstag. Der Leibarzt des US-Präsidenten weiß nicht genau, wie oft ihm während seiner Corona-Erkrankung Sauerstoff zugeführt wurde? Irritierend.

Ebenso wie die Aussage vom Sonntag, dass Trump möglicherweise bereits heute entlassen werden und ins Weiße Haus zurückkehren könne. Der gleiche Conley klärt auch darüber auf, dass Trump wird mit Dexamethason behandelt werde, das nur bei schweren Corona-Fällen zum Einsatz kommt. Was denn nun?  Geht es ihm besser und er kann entlassen werden oder nicht? Hier passt einfach vieles überhaupt gar nicht zusammen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Trump in den Umfragen hinten

Die Umfragewerte Trumps gehen vier Wochen vor der Wahl in den Keller. Herausforderer Joe Biden liegt nach Bekanntwerden der Corona-Erkrankung Trumps zehn Prozentpunkte vorn.

Die Nerven liegen blank. Bei Donald Trump.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.