Trump-Comeback: Macht die E-Mail-Affäre ihn doch noch zum Präsidenten?

03. November 2016 - 10:59 Uhr

In Umfragen wieder auf Augenhöhe mit Hillary Clinton

Der US-Wahlkampf schien für Donald Trump bereits verloren: Deutliche Niederlagen in den TV-Duellen, immer weitere Negativ-Schlagzeilen in der Sexismus-Debatte und ein dauerhaftes Umfragetief bestimmten die letzten Wochen für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Doch ausgerechnet die E-Mail-Affäre seiner Kontrahentin Hillary Clinton katapultiert Trump wenige Tage vor der Wahl zurück ins Rennen.

Die Affäre um dienstliche E-Mails, die Clinton über einen privaten Server verschickt hatte, bestimmte die Frühphase des Wahlkampfes und war für Clinton nach Abschluss der FBI-Untersuchungen eigentlich abgeschlossen. Extrem sorglos, aber nicht strafbar – so das Urteil. Doch nachdem FBI-Chef James Comey am Freitag enthüllte, dass die Bundespolizei weitere E-Mails aus der Zeit Clintons als Außenministerin prüft, bestimmt das Thema wieder die US-Medienlandschaft. Endlich – so muss das Trump-Lager denken – ist die Sexismus-Debatte um Donald Trumps Verhalten gegenüber Frauen und sein "Umkleidekabinen-Gerede" aus den Schlagzeilen.

"Seine Chancen steigen und er triumphiert ja auch bereits", sagt RTL-USA-Korrespondent Peter Kleim. Trump nutzt das Wiederaufkommen der E-Mail-Affäre gewohnt angriffslustig: "Hillary Clinton ist hier übrigens nicht das Opfer! Sie ist nicht das Opfer. Ihr Bürger der USA, ihr seid die Opfer dieses korrupten Systems. Diese Präsidentschaftswahl ist eure letzte Chance, das zu ändern!" So will der Republikaner das Thema zu seinen Gunsten nutzen, bevor es möglicherweise schon wieder verschwindet.

"Vorwürfe sind sehr ominös"

Denn wie relevant die neuen Vorwürfe tatsächlich sind, das ist völlig unklar. "Sie sind sehr ominös und könnten sich als haltlos herausstellen", erklärt Peter Kleim. Außerdem sei es auch Clintons Vorteil, dass sie von der Affäre bereits im gesamten Wahlkampf verfolgt wird und sich die meisten Bürger ihre Meinung dazu wohl längst gebildet hätten.

Dennoch dürfte die E-Mail-Affäre verbunden mit den steigenden Umfragewerten Trump und seinen Wahlkampfhelfern zu neuer Euphorie verhelfen. Zwar haben bereits fast 19 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben, wie der Sender CNN berichtet. Knapp 10 Millionen davon leben in den sogenannten 'Swing-States', den besonders hart umkämpften Wechselwähler-Staaten. Auf diese Stimmen wird die neu aufgekochte E-Mail-Affäre keinen Einfluss mehr haben – doch Millionen von Amerikanern sind noch unentschlossen, und sie werden nur wenige Tage vor der Wahl noch einmal daran erinnert, dass Clintons Glaubwürdigkeit nicht ihre größte Stärke ist.