Trotz Wahldesaster: Theresa May will weiter regieren

09. Juni 2017 - 6:42 Uhr

Queen muss ihre Erlaubnis geben

Die britische Premierministerin Theresa May bleibt eisern: Trotz des Wahldesasters will sie weitermachen. May setzt dazu auf eine Minderheitsregierung und will sich umgehend das Okay von der Queen holen. Ganz Europa blickt mit Sorge nach London.

May deutlich angeschlagen

Das britische Wahlsystem kennt keine Gnade: "The winner takes it all", der Gewinner räumt alles ab, heißt es traditionell. Das soll für klare Verhältnisse sorgen. Doch der Wahlausgang auf der Insel macht keinen der Kandidaten so richtig glücklich.

Trotz der herben Verluste ihrer konservativen Tories will Großbritanniens Premierministerin Theresa May eine neue Regierung bilden. Sie werde noch am Freitagmittag bei Königin Elizabeth II. um die Erlaubnis dafür bitten, teilte ein Regierungssprecher in London mit. Offenbar strebt sie eine konservative Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen Protestanten der DUP (Democratic Unionist Party) an.

Bei der Wahl wurden die Tories hart abgestraft. Sie verloren die absolute Mehrheit, blieben insgesamt aber die stärkste Kraft im Unterhaus. Nach der Auszählung fast aller Stimmen konnte jedoch keine der beiden großen Parteien eine Mehrheit der 650 Wahlkreise für sich gewinnen. 

Folgen für Brexit noch nicht abzusehen

Eigentlich hatte May die Neuwahlen ausgerufen, um ihre Regierungsmehrheit zu vergrößern. Jetzt ist sie deutlich geschwächt. Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei forderte sie denn auch auf, ihren Posten zu räumen. Er brachte eine eigene Minderheitsregierung ins Spiel.

Der komplizierte Wahlausgang ist auch wichtig für die anstehenden Brexit-Gespräche zwischen London und Brüssel. Die hoch komplizierten Verhandlungen müssen bis Ende März 2019 abgeschlossen sein. Sonst scheidet Großbritannien ohne Vertrag oder Übergangsregelung aus der EU aus. Die Folgen für die Wirtschaft und die Bürger wären in diesem Fall kaum absehbar.

Das endgültige Wahlergebnis im Überblick

Nach Auszählung aller 650 Wahlkreise kamen die Tories auf 318 Sitze, 13 weniger als bei der vorigen Wahl vor zwei Jahren, wie die britische BBC berichtete. Um weiter regieren zu können, müssen sie einen Partner finden, der ihre Politik mitträgt. Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt eine Absprache mit der nordirisch-unionistischen DUP, die zehn Sitze gewann. Die Labour-Partei von Mays Herausforderer Jeremy Corbyn schickt demnach 262 Abgeordnete ins Unterhaus, 30 mehr als bisher.  

Stark verloren hat die schottische Nationalpartei SNP, mit 35 Sitzen bleibt sie aber drittstärkste Kraft im Parlament. Bisher hatte sie 56 Sitze. Die Liberaldemokraten, die einen Brexit noch verhindern vollen, gewannen vier Sitze hinzu und haben nun zwölf Abgeordnete.  

Die EU-feindliche und rechtspopulistische Ukip hat keinen Wahlkreis gewinnen können. Vor zwei Jahren wurde sie noch in einem Wahlkreis stärkste Kraft und bekam landesweit 12,6 Prozent der Stimmen. Diesmal lag ihr Stimmanteil nur bei rund zwei Prozent. Die nordirisch-republikanische Sinn Fein gewann drei Mandate hinzu und hat nun sieben Sitze, die aller Voraussicht nach leer bleiben werden. Aus Protest schickt die Partei keine Abgeordneten nach Westminster. Die britischen Grünen haben erneut eine Abgeordnete im Parlament.