Trotz Vollzeitjob Hartz IV beziehen

17. Mai 2011 - 8:49 Uhr

Kaum Geld zum Leben

Neben einer Vollzeitbeschäftigung zusätzlich Hartz IV empfangen, das ist keine Seltenheit mehr. Mittlerweile müssen rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer den Zusatz beantragen, weil sie mit ihrem Lohn nicht über die Runden kommen. Das sind 13 Prozent mehr als noch vor vier Jahren.

"Ich arbeite als Hausmeister, 30-40 Stunden die Woche je nachdem, wie die Auftragslage ist und muss dann zusätzlich Hartz IV beantragen, um überleben zu können", berichtet Jochen Siebenhaar. Manchmal arbeitet er 12 Stunden am Tag und dass für gerade einmal fünf Euro netto die Stunde. Mit seinen rund 780 Euro netto im Monat und Hartz IV verdient er 1.200 Euro: Von diesem Geld muss er seine Familie ernähren. Da bleibt für die dreiköpfige Familie nicht viel Geld zum Leben übrig, denn von dem Verdienst muss auch noch die Miete bezahlt werden.

Flächendeckender Mindestlohn gefordert

"Damit ich überhaupt einen Job habe, mache ich diesen Job. Und, weil ich eigentlich nicht zu Hause sitzen will", berichtet der Hausmeister weiter. Auch vielen anderen geht es ähnlich. Einige sind sogar so verzweifelt, dass sie schwarz arbeiten müssen und darüber nur unerkannt sprechen wollen: "Jetzt arbeite ich zur Zeit im Tierheim. Aber auch nur schwarz, also unter der Hand, und gehe ab und zu auch mal zum Amt, hole dort meine Unterstützung, weil ich eben mit meinem Geld nicht hinkomme."

Helena Fürst, bekannt als 'Anwältin der Armen' bei RTL, kämpft für mehr Gerechtigkeit: "Und dann wünsche ich mir von jedem Unternehmer, dass er wieder seine soziale Verantwortung übernimmt. Das bedeutet: nicht nur Gewinnmaximierung im Auge haben, sondern auch auf den Menschen schauen und schauen, kann der Mensch überhaupt von diesem Geld seine Kinder ernähren?"

Als Lösung wird von vielen Seiten ein flächendeckender Mindestlohn gefordert. Doch die Wirtschaft sträubt sich dagegen.