RTL News>News>

Trotz Terror-Gefahr: Narren feiern unbeschwert Rosenmontagszüge

Trotz Terror-Gefahr: Narren feiern unbeschwert Rosenmontagszüge

"Man geht mit einem anderen Gefühl hin"

Hunderttausende Karnevalfans haben sich den Spaß an ihrem höchsten Feiertag nicht nehmen lassen: Bei den Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz wurde die Angst vor islamistischen Anschlägen aber nicht verschwiegen, weder auf den Wagen noch am Straßenrand.

Bedrohungslage bei Rosenmontagsumzügen
Und Humor ist, wenn man trotzdem lacht?!
dpa, Julian Stratenschulte

"Man geht mit einem anderen Gefühl hin. Aber wir lassen uns den Spaß nicht verderben", sagte der 19-jährige Lukas in Mainz. "Terror hat nichts mit Religion zu tun", stand auf einem Wagen in Düsseldorf.

Noch gestern versicherte die Polizei in Nordrhein-Westfalen, dass sich trotz der Absage in Braunschweig keine veränderte Sicherheitslage für die großen Rosenmontagszüge in Köln und Düsseldorf ergebe. "Wir sind gut vorbereitet", sagte eine Polizeisprecherin in Köln. Dort spielten schon um 10.11 Uhr die Fanfaren das Startsignal zum Rosenmontagszug. In Mainz ging es eine Stunde später los, in Düsseldorf setzte sich der Zug um 12.30 Uhr in Bewegung.

"Darf sich das Feiern nicht verbieten lassen"

Eine als Clown verkleidete Frau in Köln sagte, sie lasse sich die Freude am Straßenkarneval durch Angst vor Terror nicht nehmen. "Aber ich bin schon froh, wenn meine Kinder und ich heute Abend wieder gut zu Hause sind", sagte sie.

Zuvor war der Karnevalsumzug in Braunschweig kurz vor dem Start wegen Hinweisen auf mögliche Terroranschläge abgesagt worden. Aus "zuverlässigen Staatsschutzquellen" sei bekanntgeworden, dass "eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund vorliege", hieß es bei der Polizei. Festnahmen oder Durchsuchungen habe es bislang nicht gegeben. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) wies darauf hin, dass es in Braunschweig und Wolfsburg eine Konzentration von Salafisten gebe, die als gefährlich eingestuft werden.

Angst vor möglichen Anschlägen hatte in Köln zunächst dazu geführt, dass das Kölner Festkomitee einen Charlie-Hebdo-Wagen aus dem Verkehr zog, auf dem ein Jeck mit dem Buntstift einen Terroristen stoppt. Dafür gibt es jetzt aber doppelten Ersatz. Hauptbild ist aber ein gerodeter Stiftewald, aus dem die Narrenfreiheit als neuer Buntstift sprießt. Die Figur des Attentäters ist nur unfertig an Bord.

Die Kölnische Karnevalsgesellschaft KKG, die auf dem zunächst geplanten 'Charlie-Hebdo'-Wagen fahren wollte, schickt ihrerseits einen komplett grauen Wagen auf den Weg. Man habe nicht mit einem neuen 'Spaß-Festwagen' über die ernsthafte gesellschaftliche Debatte hinweggehen wollen, teilte KKG-Präsident Johannes Kaußen mit.